Um eine Strategie im Sinne eines integrierten Smart-City-Gesamtkonzepts für die zukunftsorientierte Entwicklung der Stadt Essen erarbeiten zu können, wurde zunächst eine Bestandsaufnahme gemacht. Durch die Untersuchung der bisherigen vielfältigen Aktivitäten, Initiativen und Projekte wurden sieben Handlungsfelder für die smarte Stadt Essen von morgen identifiziert, die in Wechselwirkung miteinander stehen:
Handlungsfelder für die Smart City Essen
Smarte Bildung
Smarte Bildung
Die Stadt Essen will für Kinder und Jugendliche adäquate Bildungsangebote machen, ihnen Chancen eröffnen und sie dabei unterstützen, ihr Potenzial bestmöglich auszuschöpfen. Dabei werden auch immer mehr digitale Geräte und digital gestützte Lehr- und Lernangebote eine Rolle spielen – auch um Kinder und Jugendliche im Umgang mit Digitalisierung zu befähigen und sie auf das Erwerbsleben vorzubereiten. Doch auch in Kinderbetreuungseinrichtungen und nichtschulische Bildungseinrichtungen ist der Umgang mit Digitalisierung von Bedeutung.
Im Handlungsfeld „smarte Bildung“ geht es um den digitalen Wissens- und Kompetenzerwerb sowie den Zugang zu entsprechenden Angeboten. Sämtliche Akteurinnen*Akteure sollen befähigt werden, digitale Werkzeuge zu nutzen und sich Wissen und Kompetenzen anzueignen. Zudem sollen Bildungsangebote entlang sämtlicher Lebensphasen niedrigschwellig und smart verfügbar gemacht werden.
Die Ausstattung ist nur ein Baustein für die Digitalisierung der Klassenzimmer. Umfassende Konzepte zur Nutzung und Einbindung entsprechender Geräte im Rahmen des jeweiligen Bildungsangebots, die Wartung und Pflege sowie die dahinterliegende Infrastruktur sind ebenfalls wichtig. Zudem müssen Verantwortliche und Lernende im angemessenen Umgang mit Geräten und ihrer Verwendung geschult werden. Dies gilt auch für den Umgang mit Daten, Konsequenzen im virtuellen Raum, Gefahren, Potenziale und mehr.
Bei smarten Bildungsangeboten geht es jedoch nicht um rein digitale Angebote, sondern vielmehr darum, wie welche Inhalte zielgruppenorientiert vermittelt und zugänglich gemacht werden können.
Smarte Umwelt
Smarte Umwelt
Als "Grüne Hauptstadt Europas 2017" und drittgrünste Großstadt Deutschlands bietet Essen eine hohe Lebensqualität, die weiter gesteigert werden soll. Im Handlungsfeld "Smarte Umwelt" wird daher an bestehende Strategien angeknüpft und Innovation eingesetzt, um Essen zu einer klimaresilienten und -neutralen Kommune zu transformieren. Neben Umweltschutz und -erhalt spielen dabei auch Aspekte wie Sauberkeit und Sicherheit im öffentlichen Umfeld eine Rolle.
Durch den Einsatz von Sensorik im öffentlichen Raum können Messwerte erhoben und Emissionen wie Immissionen erfasst und betrachtet werden, um den Alltag und den öffentlichen Raum angenehmer zu gestalten. Auch die bedarfsgerechte Bewässerung von Stadtbäumen kann so optimiert werden, um Ressourcen zu schonen und Bäume gesund zu halten, sodass sie weiterhin effizient zu einem guten Klima beitragen können. Außerdem ist zum Beispiel in Zusammenhang mit dem Handlungsfeld "Smarte Mobilität" eine umweltsensitive Ampelschaltung möglich, um den Verkehr besser zu regulieren und die Schadstoffbelastung in der Luft zu senken.
Smarte Mobilität und Infrastruktur
Smarte Mobilität und Infrastruktur
Essen will bis 2035 den Modal Split schaffen. Dann sollen jeweils 25 Prozent der Mobilität in Essen auf den im motorisierten Individualverkehr, ÖPNV sowie Fuß- und Radverkehr entfallen. Deshalb setzt die Stadtverwaltung auf zahlreiche umweltfreundliche Mobilitätsangebote. So ist emissionsfreies Autofahren gerade im Großstadtverkehr mit Elektroautos möglich. Und Carsharing ist eine gute Option, um ein Auto dann zu nutzen, wenn es wirklich benötigt wird. Außerdem ist in Essen die nächste Haltestelle für alle Bürger*innen maximal 500 Meter entfernt und das Radverkehrsnetz erstreckt sich auf über 500 Kilometern Länge über das gesamte Stadtgebiet.
Eine intelligente und effiziente Infrastruktur ist essenziell, um Verkehre zu verlagern und so Raum für neue Konzepte und Veränderung zu schaffen. Auch Straßenlaternen können dazu beitragen: alle 30 Meter bieten sie Platz für Sensorik, WLAN oder Ladeinfrastruktur und können zu einer intelligenten Verkehrssteuerung beitragen.
Smart Health
Smart Health
Das Handlungsfeld "Smart Health" umfasst die Entwicklungen und Verbesserungen im Gesundheitswesen und baut auf Bestehendem auf. Digitale Gesundheitsangebote werden zunehmen und die medizintechnische Versorgung sowie den Datenaustausch zwischen den Institutionen erleichtern. Auch digitale Terminvergaben, Onlinesprechstunden und -diagnosen, digitale Rezepte, digitale Patientenakten sowie Routine- und Selbstdiagnosen oder Online-Gesundheitskurse verändern das Gesundheitswesen. Durch die Digitalisierung der Arzt-Patient*in-Beziehung können Arztbesuche reduziert und das Gesundheitswesen entlastet werden.
Um eine Akzeptanz dieser Möglichkeiten bei Bürgerinnen*Bürgern und medizinischem Personal zu erreichen, ist die Benutzerfreundlichkeit der eingesetzten Software besonders wichtig. Und nicht zuletzt wird Künstliche Intelligenz (KI) in der medizinischen Forschung und Versorgung für weiteren Fortschritt sorgen. Im Handlungsfeld "Smart Health" ist aber auch der weitere Ausbau der Stadt zu einer lebenswerten Heimat für ältere Menschen, jüngere Kranke und Menschen mit Behinderungen und körperlichen Einschränkungen wichtig.
Smarte Services
Smarte Services
Das Handlungsfeld "Smarte Services" sieht vor, dass Dienstleistungen der Stadtverwaltung künftig möglichst online sowie barriere- und medienbruchfrei angeboten werden sollen. So entfallen Wege ins Rathaus, die Ämter und mögliche Wartezeiten. Denn: Bürger*innen können dann ihre Anliegen rund um die Uhr und von überall aus regeln. Dem tragen auch das Onlinezugangsgesetz (OZG) und das E-Government-Gesetz NRW (EGovG NRW) Rechnung.
Dabei bedeutet "smart" nicht zugleich "digital". Es geht vor allem darum, Prozesse zu hinterfragen und zu optimieren – digital, wo es einen Mehrwert bietet. Es geht um die Verschlankung und (Teil-)Automatisierung von Verwaltungsdienstleistungen, insbesondere auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und dem damit einhergehenden Fachkräftemangel. Die Stadtverwaltung Essen bietet schon jetzt zahlreiche Onlineservices an, die das Serviceportal bündelt. Dabei ist die Benutzerfreundlichkeit von oberster Priorität – sowohl für die Bürger*innen als auch die Mitarbeitenden. Durch smarte Service sollen nach innen wie nach außen Aufwände reduziert und die Zufriedenheit aller Beteiligten gesteigert werden.
Smarte Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung
Smarte Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung
Mit ihrer guten Infrastruktur, zentralen Lage, dynamischen Wirtschaftsentwicklung, stark wachsenden Start-up-Szene und der Präsenz großer Konzerne zählt Essen zu den stärksten und beliebtesten Wirtschaftsstandorten der Region. Neben großen Energieversorgern haben auch renommierte Forschungseinrichtungen ihren Sitz in der Stadt, ebenso wie rund 23.000 Unternehmen.
Strategische Wettbewerbs- und Standortvorteile sichert sich Essen durch eine zukunftssichere und nachhaltige digitale Infrastruktur, etwa durch den Glasfaser- und Mobilfunkausbau. Die Stadt treibt zudem den Einsatz von Wasserstoff voran und arbeitet dabei mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen zusammen.
Essen ist außerdem eine Wissenschaftsstadt mit verschiedenen Hochschulen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen und bedeutenden Stiftungen. In der Forschung legt Essen seinen Profilschwerpunkt mit der Universität Duisburg-Essen auf Wasserforschung, Biomedizinische Wissenschaft, Nanowissenschaft, Urbane Systeme und den Wandel von Gegenwartsgesellschaften.
Smartes Wohnen und Quartiere
Smartes Wohnen und Quartiere
Für eine prosperierende und lebenswerte Stadt ist insbesondere das Handlungsfeld "Smartes Wohnen und Quartiere" von Bedeutung. Die 50 Essener Stadtteile weisen durch die Entwicklung der Stadt seit Beginn der Industrialisierung und ihre Lage sehr unterschiedliche Wohnqualitäten auf. Grundsätzlich sind bei smartem Wohnen und smarten Quartieren energieoptimierte Gebäude, die Quartiersentwicklung und die klimaresiliente Stadtentwicklung von zentraler Bedeutung. Deshalb hat die Stadt Essen in den letzten Jahren viele Projekte und Förderprogrammen angestoßen, um Stadtteile räumlich, energetisch und qualitativ weiterzuentwickeln.
Moderne Quartiere unterstützen die Verbindung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit auf kleinstem Raum. Eine attraktive Umgebung verbunden mit kurzen Wegen steigert die Lebens- und Wohnqualität. Die Digitalisierung dient als wichtiges Hilfsmittel, um die Menschen im Quartier miteinander zu vernetzen und Informationsplattformen zu schaffen. Moderne Quartiere erleichtern aber auch die effiziente Nutzung von Energie und die Organisation von Car- und Bikesharing im verdichteten Raum.
Um Hitzeinseln vorzubeugen, sind Frischluftschneisen und vor allem Grünflächen wichtig. Sie sorgen für Abkühlung und speichern Niederschlagswasser. Das hilft auch bei zunehmendem Starkregen, der bei hohem Versiegelungsgrad nicht ablaufen und versickern kann und vermehrt zu Überschwemmungen führt. Gezielte Klimaanpassungsmaßnahmen, durch die Stadt, aber auch private Immobilieneigentümer*innen wirken dem entgegen: Grünanlagen, begrünte Dächer und Fassaden, Grünstreifen an Wegen und Straßen. Blaue Infrastruktur, also Wasserflächen wie Teiche und Seen sowie unterirdische Rigolen und Zisternen, wirken im Sinne einer Schwammstadt: Regenwasser läuft nicht in die Kanalisation, sondern kann versickern, zur Bewässerung genutzt werden oder durch Verdunstung für Kühlung sorgen.
In Zukunft stehen zudem Nachbarschaft, Fürsorge und Teilen im Fokus. So entwickeln sich Mehrgenerationenhäuser und neue Wohnformen für jegliche Art von Wohngemeinschaften, für Alleinwohnende, für gemeinsames Wohnen im Alter und für integratives Wohnen. Die Stadtentwicklung mit Neubauprojekten dieser Art und grünen wie blauen Infrastrukturen dient der Realisierung eines nachhaltigen Wohn- und Lebensraums.
Auch private Gebäudeeigentümer*innen, Wohnungsbaugesellschaften sowie Mieter*innen können durch energetische Optimierungen, Entsiegelung, Begrünung und Nutzung von Regenwasser ihren Beitrag zu einer nachhaltigen und lebenswerten Smart City leisten. Die Essener Verwaltung kann dabei mit Fördermaßnahmen und sensibilisierender Kommunikation gezielte Anreize setzen, um die Stadt gemeinsam weiterzuentwickeln und fit für die Zukunft zu machen.