Ausstellungen in der Alten Synagoge

All About Tel Aviv / Jaffa - Die Erfindung einer Stadt

Wechselausstellung: 3.12.2021 - 31.01.2022

Kaum eine Metropole wird derzeit so gefeiert wie Tel Aviv – als tolerante Partystadt, als Mekka für Start-Up-Unternehmen, als „Weiße Stadt“ im „Bauhaus-Stil“. Oder als Oase inmitten der nationalen und sozialen, religiösen und ethnischen Konflikte Israels, Palästinas und des Nahen Ostens. Gegründet wurde die erste hebräische Stadt der Moderne als Vorort der alten arabischen Hafenstadt Jaffa. Doch nach dem Krieg 1948 wurden die wenigen, nicht zerstörten Überreste von Jaffa zur pittoresken Kulisse für Touristen und zum Hinterhof der boomenden Stadt. Bis heute versucht Tel Aviv-Jaffa sich immer wieder neu zu erfinden. Eine Entwicklung, deren Verlierer im erfolgreichen City-Branding keinen Platz haben.

Im Jahr 1991 initiierte Shlomo Lahat (1927-2014), der damalige Oberbürgermeister von Tel Aviv, die Städtepartnerschaft mit Essen. Lahat war als Salo Lindner in Berlin geboren worden und wuchs nach 1933 unter deutschen Juden in Rechovot auf. Die damalige Oberbürgermeisterin Annette Jäger nahm den Vorschlag gerne auf.

Das Auf und Ab der politischen Lage prägte in der Folge die Intensität des Austausches. Inzwischen gibt es Besuche der Spitzen der Stadtverwaltung und Ratsmitgliedern, aber auch im Sozialarbeitsbereich oder in der Jugendhilfe gibt es Kontakte. Drei Schulen unterhalten Kontakte mit Tel Aviv. Die Alte Synagoge bietet in Kooperation mit der Volkshochschule Essen gut besuchte Studienreisen nach Israel an, bei denen immer auch Besuche in Tel Aviv vorgesehen sind. Es gibt einen Partnerschaftsverein Essen-Tel Aviv, der Begegnungen fördert, wie auch die Arbeiterwohlfahrt AWO Sommerferienlager mit unter anderen auch Jugendlichen aus Tel Aviv durchführt.

Tel Aviv wurde 1909 gegründet und hat 440.000 Einwohner. Die Stadt ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes.

Aus Anlass des Jubiläums freuen wir uns, Ihnen vom 3. Dezember 2021 bis 31. Januar 2022 eine Wechselausstellung im Hauptraum

Sie wurde von Hannes Sulzenbacher und Hanno Loewy im Auftrag des Jüdischen Museums Hohenems / Österreich konzipiert und stellt durchaus kritische Fragen an die Konstruktion des Selbstbildes der Stadt.

Dauerausstellungen im Haus jüdischer Kultur

Seit Juli 2010 gibt es im neu eröffneten Haus jüdischer Kultur fünf neue Ausstellungsbereiche:

  • Quellen jüdischer Traditionen
  • Jüdische Feste
  • Jüdischer "Way of Life"
  • Geschichte des Hauses
  • Geschichte der jüdischen Gemeinde Essen

Quellen jüdischer Tradition

Was speist jüdische Traditionen bis zum heutigen Tag? Verschiedene Bereiche werden hierzu Einblicke gewähren: Die lange jüdische Geschichte, der jüdische Kalender, die Torah und andere Traditionstexte sowie die Synagoge als Ort der Versammlung.

Jüdische Feste

Die ursprünglichen sechs großen Buntglasfenster oberhalb der Empore waren zentralen jüdischen Festen gewidmet. Diese Fenster werden nicht mehr rekonstruiert. Jedoch werden auf der Empore zukünftig acht jüdische Feste in sechs Vitrinen präsentiert. Die Feste sind: Schabbat, Purim, Pessach und Schawuot, Rosh ha-Schannah, Jom Kippur, Sukkot und Chanukkah. Ritualgegenstände, Bilder und Filme veranschaulichen die Festabläufe.

Jüdischer "Way of Life"

Judentum ist entgegen einer weit verbreiteten Meinung weitaus mehr als Religion und allein mit dem Begriff der Religionsgemeinschaft nicht zu fassen. Judentum ist eine allumfassende Lebenskultur und entspricht so gar nicht den vielen Klischees. Dieser Ausstellungsbereich wird dazu einladen, ungewöhnliche Einblicke in jüdische Lebenswelten zu nehmen: Wie unterschiedlich werden Traditionen gelebt? Niemals einig? Drei Juden, vier Meinungen?

Das sind nur einige der Fragen, um die es gehen wird - mit viel Humor und überraschenden Antwortversuchen.

Geschichte des Hauses

Erbaut zwischen 1911 - 13, Synagoge bis 1938, Ruine von 1938 - 59, Haus Industrieform von 1961 bis 1979, "Alte Synagoge“ ab 1980, rekonstruiert 1986-88 und nun die neue Konzeption von 2008 - 2010. Dieses Haus hat eine wechselvolle Geschichte, die in Fotoprojektionen und mit einigen Exponaten erzählt wird. Ein "Vertiefungspunkt“ mit Computerarbeitsplätzen lädt zur weiteren Annährung an die Themen ein.

Geschichte der jüdischen Gemeinde in Essen

Gestützt auf die Sammlung des Archivs der "Alten Synagoge“ kann man sich hier über die Geschichte der jüdischen Gemeinde Essen mit Schwerpunkt Ende 19. Jahrhundert und erste Hälfte 20. Jahrhundert informieren. Persönliche Gegenstände wie Poesiealben, Fotos, Fluchttagebücher, Zeugnisse, Urkunden und Orden aus dem Leben von Essener Juden, auch in den Emigrationsländern, sind bewegende Objekte, die Geschichten erzählen. Eine Leseecke mit Publikationen aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts lädt zu ruhiger Lektüre ein, und ein computergestützter Vertiefungspunkt führt durch zahlreiche weitere Dokumente.

© 2021 Stadt Essen