Der Kriminalpräventive Rat Essen (KPR) wurde 2022 als Teil des kommunalen Präventionsmanagements restrukturiert und versteht sich als zentrales Koordinierungs- und Steuerungsgremium sowie Impulsgeber. Ziel ist es, die urbane Sicherheit in der Stadt Essen umfassend auf Basis von Kriminalitätslagebildern und erkannten Problemlagen im Blick zu behalten und frühzeitig mit gezielten und inklusiven Maßnahmen Kriminalität zu reduzieren, das Sicherheitsgefühl zu verbessern und das friedliche Zusammenleben in der Stadt zu fördern.
Der Kriminalpräventive Rat Essen
Der Kriminalpräventive Rat schafft den organisatorischen Rahmen für eine abgestimmte und vernetzte Präventionsarbeit. Die unterschiedlichen Organe des KPR – Lenkungsgruppe, Plenum, Wissenschaftlicher Beirat, Fachgruppen und Geschäftsstelle – übernehmen dabei jeweils unterschiedliche Aufgaben und wirken auf verschiedenen Ebenen zusammen.
Während die Lenkungsgruppe die strategische Ausrichtung des KPR verantwortet und die Geschäftsstelle die Arbeit koordiniert und unterstützt, dient das Plenum insbesondere dem fachübergreifenden Austausch und der Einbindung verwaltungsinterner und -externer Akteure. Die Fachgruppen bearbeiten konkrete Themen und Fragestellungen, entwickeln Präventionsansätze und wirken an deren Umsetzung mit. Der Wissenschaftliche Beirat begleitet die Arbeit aus wissenschaftlicher Perspektive.
Im Rahmen des KPR werden vielfältige Aufgaben wahrgenommen – von der Bündelung von Fachwissen sowie der Initiierung und Steuerung von Zusammenarbeit und Vernetzung über die Entwicklung und Umsetzung von Präventionsmaßnahmen bis hin zur Beratung und Information des Oberbürgermeisters und der politischen Gremien. Auch die Aufklärung und Information der Bürgerinnen und Bürger ist Bestandteil der Arbeit der verschiedenen Organe und Arbeitsformate des KPR. Netzwerkarbeit und der Austausch zwischen kommunalen Akteuren, Institutionen und der Stadtgesellschaft bilden dabei eine zentrale Grundlage der gemeinsamen Präventionsarbeit.
Aufbau des Kriminalpräventiven Rats
Dem Grundsatz des Deutschen Forum Kriminalprävention "Prävention ist Bürgermeisterpflicht" Rechnung tragend sitzt Herr Oberbürgermeister Thomas Kufen dem Kriminalpräventiven Rat Essen vor. Der Lenkungsgruppe gehören
- Oberbürgermeister Thomas Kufen,
- Christian Kromberg (Geschäftsbereichsvorstand 3 - Recht, öffentliche Sicherheit und Ordnung),
- Muchtar Al Ghusain (Geschäftsbereichsvorstand 4 - Jugend, Bildung und Kultur),
- Stadtdirektor Peter Renzel (Geschäftsbereichsvorstand 5 - Soziales, Arbeit, Gesundheit und Integration),
- Polizeipräsident Andreas Stüve (Polizeipräsidium Essen / Mülheim) sowie der
- leitende Oberstaatsanwalt Henning Wilke (Staatsanwaltschaft Essen)
an. Die Lenkungsgruppe befasst sich mit aktuellen Themen der kommunalen Kriminalprävention und entwickelt auf Grundlage der Arbeit der Fachgruppen und des Austauschs im Plenum strategische Ansätze für die Präventionsarbeit. Sie begleitet deren Umsetzung und sorgt für eine enge Verzahnung präventiver und repressiver Maßnahmen. Darüber hinaus übernehmen die Mitglieder der Lenkungsgruppe die Verantwortung für die ihnen zugeordneten Fachgruppen und unterstützen deren zielgerichtete und verbindliche Arbeitsweise.
Der wissenschaftliche Beirat besteht aktuell aus zwei festen Mitgliedern: Frau Professorin Dr. Dorothee Dienstbühl von der Hochschule der Polizei (HPol) des Landes Brandenburg und Herr Dr. Tim Lukas von der Bergischen Universität Wuppertal. Zudem werden themenbezogen wechselnde Wissenschaftler:innen hinzugezogen. Sie beraten die Lenkungsgruppe, stellen den wissenschaftlichen Input im Plenum sicher und begleiten die Fachgruppen aus wissenschaftlicher Sicht.
Im Plenum wird das breite Spektrum aller Beteiligten zum Themenkomplex Kommunale Kriminalprävention zusammengeführt. In diesem Rahmen wird sowohl die Anbindung an die Sacharbeit in den Fachgruppen als auch an die Präventionsstrategien sichergestellt. Hierbei kann das Plenum der Lenkungsgruppe Empfehlungen aussprechen.
Das Plenum tagt zweimal im Jahr in nicht öffentlicher Sitzung zu jeweils einem anderen Schwerpunktthema:
- 07.06.2022: Sicherheit und Kommunale Kriminalprävention am Beispiel der Landeshauptstadt Stuttgart
- 06.12.2022: Entwicklungsförderung und Gewaltprävention für junge Menschen
- 31.05.2023: Sicherheit und Sicherheitsgefühl im Bahnhofsumfeld verbessern
- 28.11.2023: Zuwanderung aus der Arabischen Republik Syrien, einem Land voller Gegensätze
- 13.06.2024: Hass im Netz
- 13.12.2024: Frauen - Sicherheit - Öffentlicher Raum
- 10.06.2025: Schule als sicherer Ort
- 04.12.2026: Großwohnsiedlungen - eine Herausforderung für die Kommunale Kriminalprävention?!
- 08.07.2026: Die Zukunft der Kriminalprävention in Essen
Die Fachgruppen des KPR umfassen sowohl Arbeitsgruppen, kriminalpräventive Bündnisse in den Stadtteilen, örtliche Ausschüsse als auch die im Rahmen der Neustrukturierung neu gegründeten Fachgruppen (Jugend, Senioren, Städtebauliche Kriminalprävention und Extremismus / Radikalisierung). Die Fachgruppen sind themen- und anlassbezogen sowie interdisziplinär besetzt. Eine Beschreibung der einzelnen Fachgruppen sowie der jeweils erarbeiteten Projekte finden Sie auf dieser Seite.
Fachgruppen
Bei der Stärkung des subjektiven Sicherheitsgefühls wird ein besonderer Fokus auf die beteiligten Stadtteile gelegt. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Vorbeugung von Straftaten, also der Prävention. Hierzu finden regelmäßige Netzwerksitzungen statt, wird die aufsuchende Arbeit an Treffpunkten mit Kriminalitätsschwerpunkten koordiniert (Straßensozialarbeit) und Präventions-, Sport- und Kontaktangebote geplant und durchgeführt.
Die dezentrale Arbeit der kriminalpräventiven Netzwerke wird durch die Aktivierung des Kirminalpräventiven Rates und die vertiefte Weiterarbeit in den zugehörigen Arbeitsgruppen sinnvoll ergänzt. Hier bietet sich die Möglichkeit, dezentrale Themen zu bündeln und gesamtstädtische Strategien zu erarbeiten. Die Erkenntnisse aus den Netzwerken werden in der Fachgruppe Jugend systematisch genutzt und als ständiger Tagesordnungspunkt behandelt.
Zahlreiche Essener Stadtteile verfügen über lokale kriminalpräventive Bündnisse, die von verschiedenen Trägern verantwortet werden. Derzeit bestehen folgende kriminalpräventive Netzwerke in den Stadtteilen:
- Perspektive Nordviertel (Nordviertel, nördliche Innenstadt, Süd- und Ostviertel | cse)
- Quartierssicherheit Altendorf QuaSi (Altendorf, Frohnhausen | Diakonie)
- Kriminalprävention in Borbeck KiB (Borbeck Mitte, Bochold, Bergeborbeck, Dellwig, Frintrop | Werkstatt Solidarität e.V.)
- Aktionsbünsnis sicheres Altenessen AsA (Altenessen, Karnap | AWO)
- Aktionsbündnis Zollverein (Katernberg | AWO)
- Perspektive Oststadt (Kray, Hörsterfeld, Bergmannsfeld | Eigenregie der Akteure vor Ort)
Weitere Informationen finden Sie u.a. in der Ratsdrucksache „Quartiershausmeister*innen und Kriminalpräventive Maßnahmen" (Vorlage 0857/2024/4) .
Entsprechend des Nationalen Konzepts Sport und Sicherheit wurde im Jahr 2022 verwaltungsseits der Örtliche Ausschuss Sport und Sicherheit (ÖASS) eingerichtet; beim ÖASS handelt es sich jedoch nicht um ein Ratsgremium. Im Rahmen der Tätigkeit des ÖASS werden grundsätzliche Problemstellungen im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen, mit dem Schwerpunkt auf Fußballspielen, thematisiert und fachübergreifend Lösungen entwickelt. Das Gremium sorgt für die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren mit dem Ziel, die Sicherheit zu erhöhen und Probleme im Zusammenhang mit Gewalt, Pyrotechnik sowie anderen sicherheitsrelevanten und infrastrukturellen Aspekten anzugehen.
Der ÖASS tagt quartalsweise. Ständige Mitglieder des Ausschusses sind Vertreter*innen von
- Ordnungsamt
- Feuerwehr
- Amt für Straßen und Verkehr
- Sport- und Bäderbetriebe
- Polizei
- Bundespolizei
- Ruhrbahn
- Grundstücksverwaltung Essen (GVE)
- Arbeiter-Samariter-Bund Essen (ASB)
- Johanniter Essen (JUH)
- Rot-Weiss Essen (Verein, Sicherheitsbeauftragte, Fanbeauftragte)
- Fanprojekt AWO
Der Arbeitskreis Sichere Innenstadt wurde 2021 ins Leben gerufen und tagt vierteljährlich. Gemeinsames Ziel des Arbeitskreises ist es, ein Netzwerk zwischen Stadtverwaltung, Institutionen, Polizeipräsidium, Standortgemeinschaften, Einzelhandel, Hotellerie, Gastronomie und Verkehrsunternehmen herzustellen, um negativen Entwicklungen in der Essener Innenstadt frühzeitig und abgestimmt begegnen zu können. Die Essener Innenstadt soll dabei als Ort, an dem sich Menschen gerne treffen und aufhalten, erhalten bleiben.
Am AK Sichere Innenstadt nehmen Vetreter*innen der folgenden Institutionen teil:
- Polizei Essen / Mülheim
- Bundespolizei
- Ordnungsamt
- diverse Gewerbe-, Hotel- und Gastronomiebetriebe
- Einzelhandelsverband Nordrhein-Westfalen Ruhr e.V.
- Entsorgungsbetriebe Essen
- Amt für Stadterneuerung und Bodenmanagement
- Deutsche Bahn AG
- Ruhrbahn
- Essen Marketing GmbH (EMG)
- Suchthilfe-direkt Essen
- Schaustellerverband
- ECE (Limbecker Platz) und HBB (Rathaus Galerie)
- Industrie- und Handelskammer (IHK) Essen
Im Jahr 2020 wurde die bereits bestehende gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt Essen, der Deutschen Bahn und der Bundes- sowie Landespolizei zu einem umfassenderen Kooperationsmanagement ausgebaut. Ziel war es, Zuständigkeiten zu schärfen und übergreifende Themen rund um die Sicherheit am Essener Hauptbahnhof, wie beispielsweise gemeinsame Streifen und die Sauberkeit, koordiniert zu behandeln. Im Fokus der Arbeit des AK Sicherer Bahnhof steht sowohl der Hauptbahnhof selbst als auch das Bahnhofsumfeld, da beide nicht getrennt voneinander betrachtet werden können. Dabei wurden im Arbeitskreis insbesondere strategische Fragestellungen, beispielsweise hinsichtlich der Digitalisierung von Sicherheit und der zukünftigen Bahnhofstangente, erörtert und Vereinbarungen getroffen.
Da die Situation um den Hauptbahnhof aus professioneller Sicht derzeit nicht als übermäßig kritisch gewertet wird, ruht die Arbeit des Arbeitskreises. Er kann im Bedarfsfall jedoch jederzeit reaktiviert werden.
Die Suchtprävention ist ein zentrales Anliegen der Stadt Essen und insbesondere des Gesundheitsamtes. Dies zeigt sich in einer Vielzahl von Gremien und Strukturen, die sich mit den Themen Abhängigkeit, psychische Gesundheit und Schadensminderung befassen. Neben Angeboten der Gesundheitsförderung und Beratung für Betroffene sowie deren Umfeld ist Suchtprävention auch ein wichtiger Bestandteil urbaner Sicherheit: Sie umfasst sowohl den Schutz und die Unterstützung von Menschen mit Suchterkrankungen als auch die Stärkung des allgemeinen Sicherheitsempfindens in der Stadtgesellschaft. Mit diesen Fragestellungen befassen sich unter anderem die folgenden städtischen Arbeitskreise:
- Ordnungspartnerschaft Drogenkonsumraum (Koordination: Suchthilfe direkt Essen gGmbH )
- Hilfeausschuss §67 (Hilfen zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten nach §67 SGB XII) (Koordination: Amt für Soziales und Wohnen)
- Koordinierungskreis Drogen und Straßenprostitution (Koordination: Amt für Soziales und Wohnen)
- Arbeitskreis Sucht der Arbeitsgemeinschaft für die Planung und Koordinierung psychosozialer Einrichtungen in Essen (AG PlaKo) (Koordination: Gesundheitsamt)
Darüber hinaus beschäftigen sich verschiedene Gremien und Projekte in unterschiedlichem Maße mit Fragen der seelischen Gesundheit und den Risiken von Abhängigkeiten. Auch wenn dies nicht im Zentrum ihrer Arbeit steht, berühren sie die Themenfelder Prävention, Beratung und Unterstützung und leisten so einen ergänzenden Beitrag zur Suchtprävention (u.a. die Fachstelle Elternschaft und seelische Erkrankung ELSE, das Netzwerk psychisch kranke Kinder und Jugendliche sowie die Kommunale Gesundheitskonferenz).
Die Suchthilfe direkt Essen gGmbH als Betreiberin des Drogenkonsumraums und zahlreicher niederschwelliger Hilfs- und Beratungsangebote für Menschen mit Suchterkrankungen ist zudem in lokalen sowie landes- und bundesweiten Arbeitskreisen zu Drogenkonsumräumen und Suchtberatungsstellen, Joborientierung, Therapie, Substitution, schulischer Prävention sowie Unterbringungsstrategien vertreten.
Die Stadt Essen verfügt über vielfältige Gremien in den Bereichen Jugendarbeit, Sozialarbeit und Allgemeine Soziale Dienste. Sie bilden eine wichtige Grundlage zur langfristigen Verhinderung von Gewalt, Radikalisierung, Diskriminierung und anderem abweichenden Verhalten bei Kindern und Jugendlichen. Einige dieser Gremien legen dabei einen besonderen Fokus auf den schulischen Bereich und widmen sich gezielt der Prävention von (Jugend)Kriminalität, Gewalt und problematischen Entwicklungen an Schulen. Damit stärken sie die Sicherheit und Teilhabe junger Menschen und leisten einen wesentlichen Beitrag zur kriminalpräventiven Arbeit der Stadt Essen.
- Facharbeitskreis Jugendhilfe/Schule
Jugendamt, Fachbereich Schule, freie Träger und Schulvertreter*innen verständigen sich über geplante Maßnahmen und konzeptionelle Ansätze zu unterschiedlichen Themenfeldern, darunter Präventionsprogramme hinsichtlich Gewalt, Extremismus und Radikalismus, Reduzierung von Kinder- und Jugendarmut, Schulabsentismus, Partizipationsmöglichkeiten von jungen Menschen sowie Unterstützungsangebote bei psychosozialen Auswirkungen von Pandemie und Krieg.
- Netzwerk Schulvermeidendes Verhalten
Darüber hinaus gibt es sozialräumliche Gremien mit inhaltlichen Schwerpunkten, die oftmals aber nicht ausschließlich präventive Themen aufgreifen und bedarfsgerechte Handlungsstrategien entwickeln:
- Arbeitskreise mit dem Schwerpunkt Übergang KiTa-Grundschule (Bezirke I, III, V, VII)
- Arbeitskreise der Schulsozialarbeit (Bezirke I, II, III, IV, VI, VII, VIII, IX)
Vertreter*innen aus Schulen sind zudem in stadtbezirksbezogenen Gremien beteiligt, die die Themen Jugendkriminalität und Gewalt verhandeln:
- Strategierunde Jugendkriminalität in Bezirk III
- AK Gewalt im Bezirk VI
Die Fachgruppe städtebauliche Kriminalprävention liegt in der Verantwortung des Geschäftsbereichsvorstands für Recht, öffentliche Sicherheit und Ordnung, Herr Christian Kromberg, und wird von der Leiterin der Strategischen Stabsstelle kommunale Kriminalprävention und urbane Sicherheit, Frau Stephanie Schmuck, geleitet. Die Fachgruppe tagte am 26.08.2022 erstmalig und setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Institutionen und Behörden zusammen. Dazu gehören im Einzelnen:
- Eine Vertreterin oder ein Vertreter des Büros Oberbürgermeister
- Zwei Vertreterinnen oder Vertreter des PP Essen/Mülheim
- Eine Vertreterin oder ein Vertreter des Amtes für Straßen und Verkehr
- Zwei Vertreterinnen oder Vertreter des Amtes für Stadtplanung und -entwicklung
- Eine Vertreterin oder ein Vertreter des Amtes für Grundstücksmanagement und Wohnraumförderung
- Eine Vertreterin oder ein Vertreter des Jugendamtes
- Eine Vertreterin oder ein Vertreter des Ordnungsamtes (Sicherheitskoordination)
- Eine Vertreterin oder ein Vertreter des Essen Marketing Gesellschaft (EMG)
- Themenbezogene Gäste
Die Fachgruppe Städtebauliche Kriminalprävention widmet sich der Verbesserung der Sicherheit im öffentlichen Raum durch die Analyse und Gestaltung städtebaulicher sowie sozialer Faktoren. Sie bezieht die Perspektiven der Bewohnerinnen und Bewohner mit ein, um sowohl objektive Gefahren als auch das persönliche Sicherheitsempfinden zu erfassen. Auf dieser Grundlage entwickelt die Fachgruppe praxisorientierte Lösungen, die das Sicherheitsgefühl stärken und präventiv wirken.
Die Leitung der Fachgruppe liegt beim Polizeipräsidenten. Der Fachgruppe gehören Vertreter*innen lokaler Behörden, Ämter und Organisationen mit konzeptionellen Aufgaben in der Radikalisierungsprävention sowie zivilgesellschaftliche Akteure an, die sich für Vielfalt und Demokratie einsetzen – darunter auch Vertreter*innen potenziell von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit betroffener Bevölkerungsgruppen. Die Fachgruppe hat ihre Arbeit im September 2022 aufgenommen und koordiniert die lokale Präventionsarbeit gegen alle Formen von Extremismus und Radikalisierung. Sie fördert Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Gleichberechtigung, stärkt die lokale Präventionslandschaft durch gezielte Projekte und unterstützt den interdisziplinären Austausch zwischen Behörden, Praxis und Wissenschaft.
Die Fachgruppe Senioren im Kriminalpräventiven Rat der Stadt Essen hat sich am 5. September 2022 unter der Leitung des Essener Stadtdirektors Peter Renzel zu ihrer konstituierenden Sitzung getroffen. Sie setzt sich zusammen aus Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Institutionen und Behörden. Dazu gehören im Einzelnen:
- Zwei Vertreterinnen oder Vertreter der AG Wohlfahrt
- Zwei Vertreterinnen oder Vertreter des Seniorenrates der Stadt Essen
- Eine Vertreterin oder ein Vertreter der Polizei
- Eine Vertreterin oder ein Vertreter der Staatsanwaltschaft
- Zwei Vertreterinnen oder Vertreter des Amtes für Soziales und Wohnen aus den Bereichen Seniorenreferat und Sozialplanung
- Eine Vertreterin oder ein Vertreter des Jugendamtes aus dem Bereich Allgemeiner Sozialdienst
- Eine Vertreterin oder ein Vertreter des Geschäftsbereichsbüros 5
- Je nach Anlass weitere themenbezogene Gäste
Die Fachgruppe Senioren beschäftigt sich in ihren Sitzungen aus verschiedenen Perspektiven mit den Themen Sicherheit, Prävention und Opferschutz, speziell für ältere Menschen. Sie fördert die Zusammenarbeit mit Polizei und anderen Akteuren, um etwa digitale Hilfsmittel bekannter zu machen, Betrugsmaschen wie Trickbetrug im Internet aufzuklären und passgenaue Informationsangebote bereitzustellen. Zudem hat die Fachgruppe die Gestaltung des Wohnumfeldes in den Blick genommen, um das Sicherheitsgefühl älterer Menschen zu stärken, und widmet sich gezielt der Prävention für Menschen mit Behinderungen.
Es hat sich herausgestellt, dass die Erarbeitung von Präventionsthemen und deren operative Umsetzung weniger in der Fachgruppe erfolgt, sondern sich überwiegend in den Regelstrukturen abbildet. Alle Teilnehmenden der Fachgruppe Senioren betonen, dass es in Essen bereits in vielen Bereichen gut verzahnte Netzwerke gibt, die sich auch mit den Themen Sicherheit, Prävention und Opferschutz im Bereich Senioren und der Eingliederungshilfe befassen. Daher wird derzeit regelmäßig direkt aus den Regelstrukturen in die Lenkungsgruppe berichtet.
Im Oktober 2022 hat sich unter Mitwirkung von Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugend- und Wohlfahrtsverbänden, Schulaufsicht und städtischen Fachbereichen (Jugendamt, Fachbereich Schule, Ordnungsamt) die Fachgruppe Jugend gebildet. Sie wird durch den Geschäftsbereichsvorstand Jugend, Bildung und Kultur, Herrn Muchtar Al Ghusain, geleitet. Den Schwerpunkt der Arbeit legt die Fachgruppe auf Jugendkriminalität im schulischen Kontext sowie die kriminalpräventiven Netzwerke in den Stadtteilen.
Schulen stehen vor vielfältigen Herausforderungen wie Gewalt und Vandalismus, was das Sicherheitsgefühl von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften beeinträchtigt. Gewaltprävention wird deshalb zunehmend wichtig. Erfolgreiche Strategien erfordern ein umfassendes Maßnahmenpaket: präventive, bauliche, technische sowie ordnungsrechtliche und repressive Ansätze. In der Fachgruppe Jugend arbeiten alle relevanten Akteure gemeinsam an der inhaltlichen Entwicklung und Umsetzung dieser Maßnahmen.
Darüber hinaus ist die Stärkung von Nachbarschaften und des sozialen Zusammenlebens ein Anliegen der Fachgruppe. Die Förderung und Weiterentwicklung der bestehenden Netzwerke in den Stadtteilen (siehe „Kriminalpräventive Bündnisse in den Stadtteilen") ist dabei ebenso zentral wie die Quartiershausmeister*innen sowie das Quartiersmanagement. Während die kriminalpräventiven Netzwerke verstärkt auf die Prävention von Straftaten und abweichendes Verhalten schauen, sind die Quartiershausmeister*innen in ihren Stadtteilen im Rahmen der Wohnumfeldverbesserung auf den Straßen unterwegs. Sie fungieren als Bindeglied zur Kommunikation zwischen den Bewohner*innen in den Stadtteilen sowie zur Verwaltung. Alle Strukturen wirken jedoch gemeinsam auf das Ziel ein, den Zusammenhalt in den Stadtteilen zu stärken und damit das Sicherheitsgefühl zu steigern und kriminellen Aktivitäten vorzubeugen.
Ausgewählte Projekte
des KPR
Die Fachgruppe Städtebauliche Kriminalprävention des Kriminalpräventiven Rates Essen beschäftigt sich seit 2023 mit der Großwohnsiedlung Bergmannsfeld im Stadtteil Freisenbruch. Hintergrund sind Ausschreitungen an Halloween und Silvester in den Jahren 2022 und 2023 sowie wiederkehrende Sicherheitsprobleme, insbesondere in der Ladenpassage am Philosophenweg, die durch Leerstand, mangelhafte Beleuchtung und baulichen Verfall geprägt ist.
Mit Hilfe des Toolkits „Insight“ des LKA Niedersachsen wurden lokale Besonderheiten, Risiken und das subjektive Sicherheitsgefühl der Bewohnerinnen und Bewohner umfassend analysiert. In mehreren Workshops der Fachgruppe sowie Runden Tischen des Oberbürgermeisters wurden konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit und Aufenthaltsqualität erarbeitet. Erste Maßnahmen, wie die Verbesserung der Beleuchtung, Entfernung von abgemeldeten Autos, Grünschnitt und die Planung einer Calisthenics-Anlage, wurden bereits eingeleitet.
Den Abschlussbericht zum Projekt können Sie als PDF herunterladen:
Auch wenn das Projekt formal abgeschlossen ist, wird die Fachgruppe die weitere Umsetzung der Maßnahmen begleiten und koordinierend tätig bleiben, um die Lebensqualität und das Sicherheitsgefühl im Bergmannsfeld nachhaltig zu stärken.
Ansprechperson: Stephanie Schmuck (Leiterin der Strategischen Stabsstelle kommunale Kriminalprävention und urbane Sicherheit)
Um Schulen zu einem sicheren Ort des Lernens und Lebens zu machen, setzen die Essener Schulen bereits vielfältige Maßnahmen um. Diese umfassen präventive Maßnahmen durch Klassenlehrkräfte, die Unterstützung durch Schulsozialarbeitende sowie die Umsetzung von Präventionsprogrammen im Rahmen von Arbeitsgruppen oder Projekttagen. Zudem setzen Schulen pädagogische Maßnahmen und Ordnungsmaßnahmen nach dem Schulgesetz ein. Des Weiteren besteht in Essen die Kooperation zwischen den weiterführenden Schulen und dem Kriminalkommissariat Prävention/Opferschutz der Polizei Essen/Mülheim.
Die bereits vorhandenen präventiven Maßnahmen wurden im Rahmen eines Projektes mit neuen Handlungsansätzen und möglichen baulichen und technischen Maßnahmen in einem Gesamtkonzept „Schule als sicherer Ort" zusammengefasst. Die Erarbeitung des entsprechenden Umsetzungskonzeptes fand im Rahmen der Fachgruppe Jugend des Kriminalpräventiven Rates statt.
Weitere Informationen finden Sie u.a. in der Ratsdrucksache „Schule als sicherer Ort" (Vorlage 0594/2025/4)
Ansprechperson: Miriam Matenia (Stellvertretende Fachbereichsleitung Schule)
In der Unterarbeitsgruppe „Fahrsicherheitsbarrieren" der Fachgruppe Städtebauliche Kriminalprävention wurde ein Integriertes Sicherheitskonzept zur Verhinderung von Überfahrttaten in der Essener Innenstadtunter Einbeziehung eines anerkannten Sachverständigen entwickelt.
Der sogenannte „Grundschutz" für alle innerstädtischen Schutzzonen wurde im Rahmen einer Machbarkeitsstudie und auf dem Arbeitslevel eines „Zufahrtschutzvorkonzeptes" erarbeitet. Hierbei haben die Sachverständigen gemeinsam mit der Projektgruppe die vordefinierte Gesamtschutzzone optimiert und in zehn einzelne Schutzzonen unterteilt, die sowohl separat als auch gemeinsam aktivierbar sind. Des Weiteren wurde die „Zielattraktivität“ bestimmt und die unterschiedlichen Schutzoptionen beurteilt sowie die daraus resultierenden Maßnahmen abgeleitet. Für die innerstädtischen Veranstaltungsflächen erfolgten darüber hinaus Einzelplanungen mit Zusatzschutz in Form von Zufahrtsschutzvollkonzepten.
Ansprechperson: Stephanie Schmuck (Leiterin der Strategischen Stabsstelle kommunale Kriminalprävention und urbane Sicherheit)
Die Radikalisierungsprävention in Essen ist über eine große Zahl von lokalen, regionalen und überregionalen Akteuren organisiert. Für Fachkräfte aus den Bereichen Schule und Jugend ist das Angebot vielfach unübersichtlich, uns insbesondere das Unterstützungs- und Angebotesspektrum von regionalen und überregionalen Trägern ist kaum bekannt. Daher bestehen bei vielen Lehrkräften, Multiplikator*innen sowie Fachkräften Unsicherheiten in Bezug auf Warnzeichen, Ansprechpersonen, Zuständigkeiten und Unterstützungsmöglichkeiten im Bedarfsfall.
Das Projekt „Handlungssicherheit für Fachkräfte - HasiFa" wurde durch die Fachgruppe Extremismus / Radikalisierung des Kriminalpräventiven Rates initiiert und richtet sich an Multiplikator*innen und Funktionsträger*innen im Bereich Schule und Jugend sowie in Vereinen. Für diese Zielgruppe wird zum einen eine Handreichung erstellt, die die lokal verfügbaren Möglichkeiten der Unterstützung und Hilfe im Bereich gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Radikalisierung und Extremismus bündelt und übersichtlich darstellt. Zum anderen wurde gemeinsam mit dem Essener Sportbund eine Informations- und Fortbildungsveranstaltung für Essener Sportvereine durchgeführt, die Aktive und Übungsleitende in Vereinen in ihrer Einordnungs- und Handlungskompetenz stärkt.
Ansprechperson: Sabine Nowak (Kriminalkommissariat Kriminalprävention/Opferschutz der Polizei Essen)