Architektin Henrike Pieper im Interview

„Die geregelten Strukturen bei der Stadt geben mehr Halt und Sicherheit.“

Öffentlicher Dienst auch für stark nachgefragte Berufsgruppen attraktiv
Architekt*innen sowie Bauingenieure*innen werden bei vielen Kommunen dringend gesucht. Es fehlt in diesem Bereich an ausreichendem Personal, um Bauprojekte schnell bearbeiten und vorantreiben zu können.

Dass die Fachkräftegewinnung in dieser Sparte schwieriger ist, liegt jedoch nicht daran, dass eine Kommune dieser Berufsgruppe nichts zu bieten hätte. Warum auch eine Stadt, wie beispielsweise Essen, eine lukrative Arbeitgeberin sein kann, erzählt uns Henrike Pieper, Architektin bei der Immobilienwirtschaft.

1. Wie sind Sie auf die Stadt Essen als Arbeitgeberin bzw. auf die ausgeschriebene Stelle aufmerksam geworden?
„Die Stadt Essen bzw. die Immobilienwirtschaft ist meine vierte Arbeitgeberin. Aber bereits bei meiner ersten Anstellung in der freien Wirtschaft hatte ich mit Bauherrn des öffentlichen Dienstes zu tun. Dadurch wurde ich früh darauf aufmerksam, dass Städte ebenfalls lukrative Arbeitsangebote für meine Berufssparte anbieten.

Da ich in Hattingen wohne, ist die Stadt Essen für mich allgegenwärtig. Daher habe ich auf der Internetseite der Stadt Essen nach Stellenangeboten gesucht, als ich 2016 auf Stellensuche war. Ich habe gleich mehrere interessante Ausschreibungen für mich gefunden und mich daraufhin beworben.“

2. Was hat für Sie den Ausschlag gegeben, die Stelle anzutreten?
„Das Vorstellungsgespräch bei der Stadt Essen verlief sehr freundlich und angenehm. Die angebotenen Arbeitsbereiche beziehungsweise Projekte versprachen ein spannendes Arbeitsumfeld mit vielen Herausforderungen. Dieser Eindruck hat sich auch bestätigt.“

3. Welche Projekte haben Sie bereits bearbeitet?
„Zu meinen Aufgaben gehört die Projektsteuerung von Bestandssanierungen und Neubauten, aber auch die eigenständige Durchführungen von Projekten, in denen ich die Planung und Bauleitung selbst durchführen kann.

Beispielweise habe ich die ehemalige Hausmeisterwohnung der Grundschule Altfriedschule zu weiteren schulischen Zwecken umgebaut. Derzeit führe ich die Projektsteuerung für die Erweiterung der Grundschule Altfriedschule und für den Umbau der ehemaligen Ellernschule zu einem Verwaltungsgebäude durch. Mein Aufgabenfeld ist somit sehr weitreichend. Mein Aufgabenfeld ist somit sehr weitreichend.“

4. Haben sich Ihre Vorstellungen von der Stelle bzw. von der Arbeit bei einer Kommune erfüllt oder wurden Sie an der einen oder anderen Stelle überrascht?
„Zugegeben, gibt es viele Vorurteile gegenüber dem öffentlichen Dienst, allerdings wurde ich positiv überrascht. Die Stellenausschreibung hat sehr gut meine Arbeitstätigkeiten beschrieben. Zudem habe ich das Glück, sehr freundliche und nette Arbeitskollegen zu haben und die zu tätigen Aufgaben sind anspruchsvoll und arbeitsintensiv. Daher stimmt für mich das Gesamtpaket.“

5. Wie unterscheidet sich die Stelle bei der Stadt zu einer in der freien Wirtschaft?
„Im Vergleich zur freien Wirtschaft ist das Arbeiten im öffentlichen Dienst deutlich bürokratischer. Dadurch bedingt ist das Arbeiten aber auch deutlich strukturierter. In einem Architekturbüro bespricht man relevante Themen mit den Fachplanern, dem Bauherrn und dem eigenen Vorgesetzten. Bei der Stadt ist das etwas anders. Relevante Themen müssen mit viel mehr Gremien und ihren Entscheidungsträgern abgestimmt und koordiniert werden.

Um ein Projekt vorwärts zu bringen, sind einige Abläufe einfach unumgänglich, was schon mal etwas Zeit kosten kann. Ansonsten sind das Arbeitsumfeld und die Aufgaben ähnlich wie in der freien Wirtschaft.“

6. Wie sehen Sie Ihre beruflichen Entwicklungschancen bei der Stadt für die Zukunft?
„Die Entwicklungschancen sind bei der Stadt Essen sehr gut. Ich habe mich erst letztes Jahr intern erfolgreich auf eine höhere Stelle beworben.“

7. Welche Vorteile bietet Ihnen Ihre Anstellung bei der Stadt im Vergleich zur freien Wirtschaft?
„Die Stadt Essen bietet ein deutlich geregeltes Arbeitsverhältnis. Es können zum Beispiel Überstunden in einem Gleitzeitkonto gesammelt und abgebaut werden. Die Überstunden können über das Gleitzeitkonto als freie Tage genommen werden, was eine gute Work-Life-Balance ermöglicht. In der freien Wirtschaft habe ich die Erfahrung gemacht, dass eine Überstundenregelung eher nachteilig war.

Die Stadt Essen ist an gut ausgebildeten Mitarbeitern interessiert und fördert die Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden durch ein weitreichendes internes und externes Weiterbildungsangebot.“

8. Welche Nachteile bietet Ihnen Ihre Anstellung bei der Stadt im Vergleich zur freien Wirtschaft?
„Da gibt es nicht viele. Wie schon unter Frage 5 erläutert, sind die Kommunikations- und Entscheidungswege der Stadt Essen eher bürokratisch. In die Arbeitsweise bei der Stadt muss man ebenfalls erst einmal hineinwachsen, was etwas nimmt Zeit in Anspruch. Aber auch hier kommt man schnell rein, dank der Einarbeitung durch die Kolleginnen und Kollegen.“

9. Würden Sie auch anderen Fachkräften aus dem technischen Bereich empfehlen sich bei einer Kommune zu bewerben?
„Ja, auf jeden Fall! Sowohl das Arbeitsklima, als auch die Arbeit im öffentlichen Dienst, sind mit denen in der freien Wirtschaft vergleichbar. Dennoch geben die geregelten Strukturen bei der Stadt mehr Halt und Sicherheit.“

Henrike Pieper - Mitarbeiterin bei der Immobilienwirtschaft

Henrike Pieper ist gebürtige Hernerin und verheiratet. Nach ihrem Masterabschluss in Architektur hat sie einige Jahre in der freien Wirtschaft gearbeitet, bis sie sich entschloss sich bei der Stadt Essen zu bewerben. Seit 2016 unterstützt sie die Kolleginnen und Kollegen in der Immobilienwirtschaft und begleitet verschiedene Bauprojekte auch von der anderen Seite des Tisches, in der Rolle des Bauherrn und Auftraggebers.

© 2020 Stadt Essen