Suche nach historischen Grundstücken

- Ein Beispiel zur Nutzung des Katasterarchivs -

Essen - Europas grüne Hauptstadt 2017

Anläßlich der "Grünen Hauptstadt 2017" hat das Ruhrmuseum eine Ausstellung zur Gestaltung von Grünflächen in Essen gezeigt. Eine der ersten Grünflächen, die der Bevölkerung zu Erholungszwecken vor 100 Jahren zur Verfügung gestellt wurde, war der Grünzug rund um die Margarethenhöhe. Details dazu sind leider in Vergessenheit geraten, sodass in Vorbereitung der Ausstellung das Ruhrmuseum darum gebeten hat die ursprünglichen Flächen dieses Grünzugs zu ermitteln.

Krupp stellte die Flächen zur Verfügung

Initiatorin war damals Margarethe Krupp, die sowohl die Flächen für die Siedlung Margarethenhöhe (50 Hektar) als auch die Flächen für einen Grünzug (50 Hektar) rund um die Siedlung zu Verfügung stellte.

Mit folgendem Schreiben vom 17.11.1907 an den Oberbürgermeister der Stadt Essen hat Margarethe Krupp die Schenkung von 200 Morgen Land (50 Hektar) für den Grünzug angekündigt (zur Vergrößerung das Bild anklicken):

15 Jahre später

Nachdem die Firma Krupp die Flächen wie angekündigt bepflanzt und gepflegt hat, hat Margarethe Krupp das Eigentum an den Grundstücken durch folgende Urkunde vom 27.12.1922 auf die Stadt Essen übertragen, mit der Auflage sie "dauernd als öffentliche Anlage zu unterhalten und zu einer Erholungsstätte für die Bürgerschaft der Stadt Essen zu gestalten."

Beide Dokumente wurden mit freundlicher Genehmigung des Historischen Archivs Krupp dem Katasteramt zur Veröffentlichung zum Thema "200 Jahre Liegenschaftskataster" zur Verfügung gestellt.

Die Promenadenschenkung

Die Schenkung dieser Grundstücke zur Anlegung einer öffentlichen Grünfläche ging unter dem Begriff "Promenadenschenkung" in die Geschichte ein und bildete den ursprünglichen Teil des Grünzugs rund um die Margarethenhöhe. Die in der Urkunde aufgeführten Grundstücke existieren heute in dieser Form und mit diesen Bezeichnungen nicht mehr. Sie wurden nach dem Eigentumsübergang auf die Stadt Essen zu größeren Grundstücken zusammengefasst. Auf Grundlage der archivierten Liegenschaftskarten aus den 1920er Jahren konnten die Grundstücke ermittelt werden. Hier ein Ausschnitt der Karte von Haarzopf Flur A mit einigen markierten Grundstücken östlich des Tommeswegs, die in der o.g. Urkunde aufgeführt sind:

Übertragung in die aktuelle Karte

Seit jeher werden Grundstücke in den Liegenschaftskarten maßstabsgerecht und lagerichtig kartiert. Daher ist es problemlos möglich die historischen Grundstücke in die aktuelle Liegenschaftskarte zu übertragen und die heute aktuellen Nachfolgegrundstücke zu ermitteln. Die grün markierten Flächen in der folgenden aktuellen Karte stellen zusammengefasst die in der o.g. Urkunde aufgeführten Grundstücke dar. Die Karte hat das Katasteramt dem Ruhrmuseum für die Ausstellung "Grüne Hauptstadt 2017" zur Verfügung gestellt. Hier ein Ausschnitt dieser Karte:

Die Flächen der Promenadenschenkung (grün dargestellt) erstrecken sich rund um die Siedlung Margarethenhöhe und weiter östlich rund um den Margarethensee, der heute Bestandteil des Grugaparks ist.

Identitätsbescheinigung

Die Ermittlung von aktuellen Grundstücken anhand historischer Grundstücksbezeichnungen wird im Liegenschaftskataster als Identitätsbescheinigung bezeichnet und ist eine amtliche Bescheinigung zur weiteren Verwendung in der Immobilienverwaltung. Auf Basis des Katasterarchivs stellt das Katasteramt Essen ca. 50 Identitätsbescheinigungen pro Jahr aus.

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