Foto: Prof. Dr. med. Norbert Scherbaum Prof. Dr. med. Norbert Scherbaum (Foto: LVR-Klinikum Essen)

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"Substitutionsbehandlung immer in Verbindung mit diagnostischer und therapeutischer Behandlung"

25.06.2018

Zum Weltdrogen-Tag am 26. Juni unterstreicht der Chefarzt der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin des LVR-Klinikum Essen, Prof. Dr. Norbert Scherbaum, die Bedeutung einer begleitenden Therapie bei der Substitutionsbehandlung Opiatabhängiger.

Essen. Seit fast 30 Jahren ist die Drogenabhängigkeit, besonders die Opiatabhängigkeit, ein Schwerpunkt der klinischen und wissenschaftlichen Arbeit in der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin des LVR-Klinikum Essen. Das NRW-Erprobungsvorhaben zur Substitutionsbehandlung Opiatabhängiger, das von der Essener Arbeitsgruppe geleitet wurde, trug wesentlich dazu bei, die Substitutionsbehandlung als eine Regelleistung zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland einzuführen.

Notwendige Anpassung der Richtlinien
Der Direktor der Klinik, Prof. Dr. Norbert Scherbaum, hat als Mitglied der Arbeitsgruppe Sucht und Drogen der Bundesärztekammer wesentlich an den im vergangenen Jahr erschienenen Richtlinien der Bundesärztekammer zur Substitutionsbehandlung mitgearbeitet. „Eine Überarbeitung der Richtlinien war besonders zur Anpassung der Richtlinien an den aktuellen Stand des Wissens notwendig geworden“, erklärt Scherbaum. Für den Psychiater Scherbaum ist insbesondere von Bedeutung, das Opiatabhängige in hohem Ausmaß auch von weiteren psychischen Erkrankungen, z.B. Depression, betroffen sind. „Eine Substitutionsbehandlung soll daher nicht nur in der Ausgabe des Substitutes und in einer psychosozialen Betreuung bestehen, sondern diagnostisch und therapeutisch die begleitenden psychischen Störungen berücksichtigen“, empfiehlt der renommierte Suchtmediziner.

Erschreckende Entwicklung in den USA
Am Weltdrogentag werden auch internationale Entwicklungen in den Blick genommen. Erschreckend ist hierbei die Entwicklung in den USA mit einem dramatischen Anstieg der Zahl der Opiatabhängigen und der Drogentoten mit mehreren 10.000 Toten im Jahr. Diese „Heroin-Epidemie“ hat sich im Gefolge einer allzu großzügigen Verschreibung von opiathaltigen Schmerzmitteln in den USA entwickelt. „Als dort die Vorschriften zur Verschreibung solcher Schmerzmittel verschärft wurden, stieg ein Teil der Betroffenen auf Heroin bzw. auf im Labor (synthetisch) hergestellte Opiate wie Fentanyl und Verwandte um“, erklärt Prof. Scherbaum die Ursachen der Entwicklung.

Fehlentwicklungen in Deutschland beachten und verhindern
Präsident Trump hat daher im Oktober 2017 in dieser Sache den nationalen Notstand ausgerufen. Eine Arbeitsgruppe, der auch Prof. Scherbaum angehörte, hat bei der Auswertung von Daten der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland feststellen können, dass das Ausmaß der langfristigen und hochdosierten Verschreibung von opiathaltigen Schmerzmitteln hierzulande auf einem niedrigeren Niveau ist als in den USA. Nichts desto weniger gilt es, auch bei uns auf mögliche Fehlentwicklungen in diesem Bereich zu achten.

Prof. Dr. med. Norbert Scherbaum ist ärztlicher Direktor des LVR-Klinikums Essen und dort auch Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin. Er ist zudem berufener Professor an der medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen. Nach seiner Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie zum Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie ist die Suchtmedizin sein klinisches und wissenschaftliches Spezialgebiet. Seit 2010 ist er Mitglied im Sachverständigenausschuss des Bundesministeriums für Gesundheit zur Bewertung von Suchtmitteln. Seit 2011 ist er Mitglied der Arbeitsgruppe Sucht und Drogen der Bundesärztekammer.

Das LVR-Klinikum Essen ist eine psychiatrische, psychotherapeutische und psychosomatische Fachklinik des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). Als Teil der Universität Duisburg-Essen hat das LVR-Klinikum Essen nicht nur einen Versorgungsauftrag, sondern ist auch aktiv in der Forschung und Lehre tätig. Zentral im Essener Stadtgebiet gelegen, werden seit 1974 Jahren Erwachsene, Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen behandelt. Ziel ist es, hilfesuchenden Menschen Unterstützung in einer für sie schwierigen Lebensphase zu geben, sie umfassend zu beraten und kompetente Hilfe anzubieten.

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