Rat der Stadt Essen nimmt Konzept "Zusammenleben in Vielfalt" zur Kenntnis

28.05.2020

Nach der Vorstellung im Integrationsausschuss beschäftigte sich der Rat der Stadt Essen in seiner gestrigen Sitzung (27.5.) mit den aktuellen Planungen zum Handlungskonzept "Zusammenleben in Vielfalt". Ende 2019 hatte er bereits Projektmittel in Höhe von 40.000 Euro zur Verfügung gestellt, um gemeinsam mit örtlichen Akteuren Projekte gegen Extremismus und einen Dialog im Stadtteil Steele zu entwickeln. Zudem hatte er die Verwaltung beauftragt, ein Handlungskonzept für Demokratie und Vielfalt zu erstellen, das die in diesem Kontext bereits bestehenden Maßnahmen und Angebote bündelt sowie sie miteinander verzahnt. Federführend sind dabei das Kommunale Integrationszentrum und die Stadtagentur Essen.

Durch die sogenannten Spaziergänge der "Steeler Jungs" und begleitende Aktivitäten sowie unterschiedliche Gegenbewegungen sieht sich der Stadtteil Steele stetig mit dem Thema Extremismus konfrontiert. Gleichzeitig existiert eine Vielfalt an Engagement unterschiedlicher Institutionen. Vor diesem Hintergrund sollen die 40.000 Euro Fördermittel für den Dialog im Stadtteil und Aktivitäten gegen Extremismus eingesetzt werden.

Geplante Aktivitäten
In ganz Essen gibt es bereits seit vielen Jahren zahlreiche Projekte, die mit Kooperationspartnerinnen und –partnern durchgeführt werden. Sie beschäftigen sich vor allem präventiv im Jugend- und Bildungsbereich mit Rassismus, Extremismus und Antisemitismus. In Steele tauschen sich beispielsweise Religionsgemeinschaften, Initiativen, Vereine, Schulen und Gewerbetreibende im Rahmen der moderierten "Begegnung im Gespräch" über ihre Ideen, Vorstellungen und Wünsche für das Zusammenleben im Stadtteil aus, um so "Miteinander-Lebens-Regeln" zu entwickeln. Der begonnene Prozess wird coronabedingt in den Spätsommer verschoben.

Im Austausch mit den Verantwortlichen vor Ort sollen ergänzend Maßnahmen zur Verzahnung der Aktivitäten in Steele ergriffen werden. Dabei soll eine Moderation für den Stadtteil zwischen den unterschiedlichen Akteuren sowie Bürgerinnen und Bürgern vermitteln und sie beteiligen, um gemeinsame Lösungen zu erarbeiten und Möglichkeitsräume für Demokratie- und Toleranzentwicklung sowie (Eigen-)Verantwortung, Selbsthilfe und Teilhabe zu schaffen. Zudem sollen Experten-Gespräche mit Schlüsselpersonen zur differenzierten Analyse der Situation im Stadtteil geführt werden, die den Abgleich der Bedarfe mit dem vorhandenen Angebot und damit einhergehend eine zielorientierte Planung ermöglicht.

Zum Dritten sollen Ortspolitikerinnen und Ortspolitiker im Stadtbezirk VII fachlichen Input zu den Themen Rechts- und Linksextremismus und ein Argumentationstraining erhalten, die ihnen Orientierung und Sicherheit im Umgang mit Kontroversen bieten. Dies soll sie darin unterstützen, zur Gestaltung eines friedlichen Miteinanders vor Ort beizutragen und die lokalen Rahmenbedingungen bestmöglich zu gestalten und zu begleiten.

Als letzte Maßnahme ist die Planung und Durchführung partizipativer Stadtteilaktionen, wie mobile Begegnungen in der Nachbarschaft oder interreligiöse Gespräche, vorgesehen, die in der zweiten Jahreshälfte gestaltet werden sollen. Sie sollen einen bürgerschaftlich-partizipativen Charakter haben, gemeinsam von Bürgerinnen und Bürgern sowie den Akteuren auf Basis ihrer Wünsche und Ziele entwickelt werden und im Stadtteil verstetigt werden können. Auf diese Weise soll die Identität des Stadtteils gestärkt, die Demokratieentwicklung, Toleranz und Verantwortung gefördert und weiteres kreatives Potential zur Entwicklung des Stadtteils geweckt werden.

Zeitlicher Rahmen
Die Verwaltung hat einen zeitlichen Rahmen vorgestellt, der sich jedoch angesichts der sich dynamisch entwickelnden Coronavirus-Situation verändern kann. So sollen noch im Mai ein Austausch der Akteure zur aktuellen Lage stattfinden, Schlüsselpersonen identifiziert und die Expertengespräche vorbereitet werden, die für Juni vorgesehen sind und im Juli bzw. August ausgewertet werden sollen. Die Ergebnisse sollen schließlich im September präsentiert werden, sodass die relevanten Akteure Handlungsempfehlungen abstimmen können. Der fachliche Input und das Argumentationstraining für Ortspolitikerinnen und -politikern im Stadtbezirk VII ist für Juli geplant und die Stadtteilaktion für Oktober. Zum Ende des Jahres ist zudem vorgesehen, die durchgeführten Aktivitäten auszuwerten und die Weiterarbeit und Fortschreibung des Handlungskonzeptes für Demokratie und Vielfalt zu planen.

Begleitend zu den dargestellten Maßnahmen sollen die bisherigen erfolgreichen Maßnahmen und Projekte im Austausch der Akteure ausgeweitet und die Akquise von Drittmitteln zur Finanzierung einer Stadtteil-Moderation fortgesetzt werden. Die Maßnahmen in Steele sollen darüber hinaus auf ihre Übertragbarkeit auf weitere Stadtbezirke geprüft werden, um so zu einer gesamtstädtischen Handlungsstrategie beizutragen.

Nach der Kenntnisnahme im Rat soll sich der Kulturausschuss der Stadt Essen am 3. Juni mit der aktuellen Planung des Konzepts "Zusammenleben in Vielfalt" beschäftigen.

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