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Gesundheit
07.12.2021
3 Min

Essens neue Gesundheitskioske

Prävention und Behandlung im Stadtteil


Kioske haben im Ruhrgebiet eine jahrzehntelange Tradition. Jeder kennt sie. Sie zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie gut erreichbar, für jeden offen sind und ihr Angebot für den kurzfristigen alltäglichen Bedarf zur Verfügung steht. Die neuen Gesundheitskioske der Stadt Essen, die gemeinsam mit der AOK Rheinland / Hamburg, der Caritas-SkF-Essen gGmbH (cse) und weiteren wichtigen Akteur*innen vor Ort aufgebaut werden, haben folgende Vorzüge: Sie befinden sich im Stadtteil, können von allen Anwohner*innen genutzt werden und bieten einen leichten barrierefreien Zugang zu medizinischer Beratung und Behandlung.

Im Essener Norden entstehen 2022 die ersten zwei Gesundheitskioske in den Stadtteilen Altenessen, hier in der "Alten Badeanstalt", und Katernberg. Die Gesundheitskioske sollen Modellcharakter bekommen und bei Erfolg auch in anderen Stadtteilen der Stadt Essen etabliert werden.

Angebote und Möglichkeiten

Die Gesundheitskioske werden von medizinisch ausgebildetem Fachpersonal geführt und sollen Patient*innen in allen Fragen zur Gesundheitsförderung und Prävention aufklären und unterstützen. Zum Beispiel werden Eltern zur Vorsorge über Kindergesundheit informiert oder Diabetes-Patient*innen beraten. Die Mitarbeiter*innen sind dabei wichtige Gesundheitslots*innen, die die Menschen auf ihrem Weg zu einer geeigneten Behandlung begleiten. Die Mitarbeiter*innen werden verschiedene Sprachen sprechen und interkulturelle Kompetenzen besitzen. Das Angebot steht allen Menschen offen, von chronisch erkrankten oder verschieden belasteten Menschen über Familien mit unterschiedlichsten Beratungsbedarfen und insbesondere für Menschen mit wenig Kenntnis über das Gesundheitssystem in Essen. In barrierefreien Räumen wird sowohl Platz für Einzelberatungen, als auch für Gruppenangebote sein.

Folgende Gesundheitsangebote sind geplant:

  • Familiengesundheit: Schwangerschaftsberatung, Vorsorgekontrolle, Ernährung, Motorik, Unterstützung bei der Beantragung von Hilfs- und Heilmittelbedarf, Sportangebote für Kinder
  • Prävention: Beratung, Schulungen und Kurse zu Ernährung, Bewegung, Hygiene
  • Lotsenfunktion & Vermittlung: Vermittlung zu Haus- und Fachärzt*innen, Vermittlung an Selbsthilfegruppen, Vermittlung in öffentliche Sozial- und Beratungsstrukturen, Vermittlung in Hilfseinrichtungen für alleinerziehende Mütter
  • Psychosoziale Beratung: Spezielle Angebote für traumatisierte Geflüchtete, Alleinerziehende
  • Versorgungspfade für chronische und psychosoziale Erkrankungen
  • Mobiles und dezentrales Angebot: aufsuchende Beratung, vor allem für Familien und Kinder mit Migrationshintergrund
  • Senior*innen, Pflege- und Angehörigenberatung

Aufbau nach Vorbild aus Hamburg

Vorbild für die geplanten Essener Gesundheitskioske ist das erfolgreiche Modellprojekt in Hamburg. Im Hamburger Stadtteil Billstedt werden bereits seit 2017 Gesundheitskioske betrieben. Die dortige Gesellschaft „Gesundheit für Billstedt/Horn UG“ begleitet den Prozess in Essen beratend. Wichtig ist dabei die Zusammenarbeit der Mitarbeiter*innen im Gesundheitskiosk und den Ärzt*innen sowie sozialen Einrichtungen im Stadtteil. Sie bilden ein enges Netzwerk und können dadurch für eine eng verzahnte Betreuung sorgen. In Hamburg läuft das Projekt „Gesundheitskiosk“ auf diese Weise sehr erfolgreich und dient als Vorbild auch für andere Städte.

Trägergesellschaft für Essener Gesundheitskioske

Unter Leitung der cse gGmbH wird derzeit eine Managementgesellschaft aufgebaut, zu deren weiteren Partnern auch die Stadt Essen, die "Alte Badeanstalt", das Zentrum für Kooperation und Inklusion KD 11/13 sowie das Ärztenetzwerk Nord-West zählen. Darüber hinaus wird es Beiräte aus Bürgerschaft und ansässiger Ärzteschaft geben. Andreas Bierod, Geschäftsführer der im November 2021 gegründeten Gesellschaft „Gesundheit für Essen gGmbH“: „Wir sind für Sie da, nah und kompetent. Besuchen Sie uns digital unter www.gesundheitskiosk.ruhr und ganz bald auch in der Alten Badeanstalt an der Altenessener Str. 393. Wir freuen uns auf Sie!“

Kosten und Umsetzung

Die Arbeit in den Gesundheitskiosken soll so schnell wie möglich losgehen, im besten Fall Anfang 2022. Der angedachte Standort in Altenessen, die „Alte Badeanstalt“, und ein Standort in Katernberg müssen dafür umgebaut und das Fachpersonal eingestellt werden. Zudem müssen unter anderem auch die notwendige IT-Infrastruktur und die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, wie Schulung des Personals oder die räumlichen und technischen Möglichkeiten der digitalen Dokumentation und Ablage.

Finanziell getragen werden die Gesundheitskioske sowohl von der Stadt Essen als auch von externen Kostenträgern wie der AOK Rheinland/Hamburg. Die Managementgesellschaft wurde gegründet. Das „Ärztenetz Essen e.V Nord-West“ wird erweitert und steht dem Vorhaben offen gegenüber – einschließlich der Kooperationsbereitschaft, mit ihrer Fachexpertise und Verantwortung als Ärzteschaft im Essener Norden als Mitgesellschafter in der Managementgesellschaft Mitverantwortung zu übernehmen. Auch in Hamburg ist diese Mitverantwortung der Ärzteschaft ein wesentlicher Faktor für die Erfolge der Gesundheitskioske.

Weitere Pläne

Die Stadt Essen arbeitet derzeit daran, die digitalen, ambulanten und stationären Gesundheitsangebote im Essener Norden zu vernetzen und auszubauen. Ein wichtiger Baustein dabei ist ein integriertes, sektorenübergreifendes Gesundheitszentrum im Stadtteil Stoppenberg im Bezirk VI. Auf dem ehemaligen Grundstück des St. Vincenz-Krankenhauses plant die Stadt ein solches Zentrum.

Weitere Informationen zur Gesundheitsversorgung im Essener Norden finden Sie hier.


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