Perspektiven für die nördliche Innenstadt

Die Essener Innenstadt muss sich wie alle Großstädte und Innenstadtbereiche seit vielen Jahren einer steten Veränderung unterziehen. Der demografische Wandel prägt die zentralen Lebens-, Wohn- und Arbeitsbereiche. Die hinzukommende Digitalisierung, verändertes Einkaufsverhalten, die Corona-Pandemie oder auch die aktuelle gesellschaftliche Lage sorgen für leerstehende Geschäfte und teils verlassene Einkaufsstraßen. Diese Entwicklung erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit den städtebaulichen und sozialen Herausforderungen vor Ort. Die Stadt Essen begegnet diesen Herausforderungen mit einer Vielzahl an neuen Konzepten, teils bereits umgesetzten Maßnahmen und arbeitet dabei eng mit den Anliegerinnen*Anliegern und Bewohnerinnen*Bewohnern zusammen. Die nördliche Innenstadt gehört seit Jahren zu einem Bereich, auf den sich die Stadt Essen ganz besonders konzentriert: Er soll wieder stärker in die gesamte Innenstadt integriert und angebunden werden und sich zu einem neu belebten, attraktiven und kreativen Quartier entwickeln.

Strategie zur Quartiersentwicklung

Die Entwicklung der Nördlichen Innenstadt ist ein wichtiger Baustein für die Zukunft der gesamten Essener Innenstadt. Die zahlreichen Maßnahmen, Konzepte und Aktivitäten der letzten Jahre treffen auf heterogene Bedarfe im Stadtteil; die Ansätze deuten auf eine vielfältige, für die Nördliche Innenstadt engagierte Akteursstruktur hin. Als zentrale Aufgabenstellung zeichnet sich eine bessere Bündelung und Koordination der lokalen Akteursgruppen mit ihren Ideen und Aktivitäten ab. Aus der zentralen Lage zwischen Innenstadt und Universität, mit zahlreichen Platzanlagen und einer gleichzeitigen Nischensituation aufgrund nur punktueller Einzelhandelsfrequenz und im Vergleich zur City weniger frequentierter Wegeverbindungen ergeben sich Potenziale, die noch nicht ausreichend genutzt werden. Hemmnisse resultieren aus Sicherheitserwägungen und dem damit verbundenen Image, aber beispielsweise auch aus der mangelnden Aufenthaltsqualität und für die erwünschten Zielgruppen unzureichenden Angebotsdichte. Der Aufbau einer langfristigen und robusten Beteiligungs- und Mitwirkungsstruktur, welche die vorhandenen bzw. zu identifizierenden Akteurinnen und Akteure einbezieht, wird durch die öffentliche Verwaltung begleitet.

Ziel des in den Jahren 2022-2023 durchgeführten Prozesses war die Entwicklung eines Gesamtkonzeptes, welches eine Strategiebildung für die Profilierung, Stabilisierung und Aufwertung der Nördlichen Innenstadt beinhaltet. Das vorliegende Konzept unter dem Titel "Perspektiven für die Nördliche Innenstadt" soll die vorhandenen Ansätze in der Nördlichen Innenstadt zur Etablierung von Arbeitsstrukturen, Maßnahmenkatalogen, Quartiersleitsätzen, festen Arbeitsrunden etc. aufgreifen und in einem integrierten Prozess zusammenführen, um zu einer langfristig tragfähigen Gesamtstrategie zu gelangen. Die inhaltliche Grundlage der weiteren Arbeit wird durch die im Prozess entwickelten Zukunftsbilder für die nördliche Innenstadt gegeben und verdeutlicht durch die Anzahl an Themen und Handlungssträngen die Vielschichtigkeit des Quartiers.

Grundsätze einer gemeinsamen Quartiersentwicklung

Innerhalb des Projektes "Perspektiven für die Nördliche Innenstadt" wurden im Austausch zwischen Akteurinnen*Akteuren, Verwaltung und Stadtgesellschaft die folgenden strukturellen Thesen als grundsätzlich für die Quartiersentwicklung formuliert und sollen im weiteren Verfahren eine Anwendung finden:

- Die Verwaltung initiiert eine ressortübergreifende Zusammenarbeit mit Schlüsselakteurinnen und -akteuren, die auch z.T. nur anlassbezogen in den Entwicklungsprozess und in die Umsetzung eingebunden werden können.

- Die Entwicklung der Nördlichen Innenstadt verläuft als Bottom-up-Prozess. Die Stadt gibt einen Rahmen vor und bietet gezielte Unterstützung in der Umsetzung; in einzelnen Handlungsfeldern ist die Stadt aktiv handelnder Akteur.

- Zur regelmäßigen Abstimmung und Überprüfung des Entwicklungs- und Realisierungsprozesses werden Formate eingerichtet, an denen unterschiedliche Akteurinnen und Akteure teilnehmen können.

- Die Akteure aus der Verwaltung, dem Quartier und weiteren angrenzenden Institutionen arbeiten engagiert an einer gemeinsam formulierten Zielsetzung für die Entwicklung der Nördlichen Innenstadt.

- Eine interdisziplinäre Ausrichtung der Entwicklung der Nördlichen Innenstadt wird durch die gemeinsame, ineinandergreifende Arbeit der Akteurinnen und Akteure realisiert. Die Akteurinnen und Akteure sind experimentierfreudig und offen gegenüber neuen (unkonventionellen) Ideen.

- Um nicht durch ein einzelnes Leitbild die vielfältige Akteurslandschaft des Quartiers zu limitieren, sollen Leitplanken definiert werden, die einen Zielrahmen bilden und innerhalb derer eine differenzierte und auf die lokalen Gegebenheiten eingehende Entwicklung ermöglicht wird.

Ausblick

Während der Bearbeitung zeigte sich immer wieder, dass bei allen Beteiligten eine hohe Motivation besteht, die Zukunft der Nördlichen Innenstadt mitzugestalten und voranzubringen. Ziel für die Nördliche Innenstadt ist es, positive Impulse im Quartier langfristig zu verstetigen und dabei das große Akteurspotenzial vor Ort in den Fokus zu stellen. Mit Hilfe dieses Potenzials sollen konkrete Maßnahmenkonzepte erstellt werden, auf deren Grundlage Fördermittel akquiriert werden können.

Zentraler Baustein für die Weiterarbeit und Konkretisierung der Ideen ist ein kontinuierlicher Austausch von Verwaltung, Akteurinnen und Akteuren und der interessierten Bürgerschaft. Dazu soll zukünftig eine digital gestützte Plattform sowie die Durchführung weiterer (themenbezogener) Quartierskonferenzen dienen, in welcher weiterführend zu den hier geschaffenen Zukunftsbildern gearbeitet werden kann und die Möglichkeit zur aktiven Mitwirkung gegeben ist.

Förderung

Das Projekt „Perspektiven für die nördliche Innenstadt“ gehört zum Stadtteilprojekt Essen MITTE/OST für die Stadtteile Stadtkern, Ostviertel und Südostviertel, das die Stadt Essen innerhalb des Städtebauförderprogramms "Sozialer Zusammenhalt" seit dem Jahr 2019 schrittweise umsetzt. Die Kosten werden zu 100 Prozent mit Fördermitteln des Bundes sowie des Landes Nordrhein-Westfalen finanziert.

Test

© 2025 Stadt Essen