Geschichte des Stadtteils Rellinghausen

Kleiner Stadtteil mit großer Geschichte
Rellinghausen, im Südosten der Stadt an der Ruhr gelegen zählt zu den ältesten Stadtteilen Essens. Seine Geschichte reicht bis ins Jahr 860 zurück.
Im Jahre 1996 gedachte man der Gründung des Frauenstiftes Rellinghausen, das über 800 Jahre die Geschicke des Ortes prägte.
Zwar gehört Rellinghausen mit seinen knapp 4.000 Einwohner*innen zu den kleinsten Stadtteilen Essens, verfügt jedoch über einen besonders reichen Bestand an erhaltenen Bau- und Bodendenkmälern.

Namensherkunft
Der für Rellinghausen erstmals im Jahr 943 in einer Urkunde erscheinende Name ‚Ruolding-hus‘ leitet sich wohl von dem Siedlungsgründer namens ‚Ruold‘ ab. Für 860 ist ein Oberhof dieses Namens mit einer ‚Eigenkirche‘ in Essener Unterlagen erwähnt.

Erste urkundliche Erwähnung
943 (Ruoldinghus)

Gehört zu Essen seit
1. April 1910

Stadtteilwappen


Das Kreuz im Wappen der Stadtteils Rellinghausen verweist auf die gut 800jährige Prägung durch ein christliches Frauenstift. Die blauen Wellenbalken stehen für die Lage an der Ruhr.

Historie

996 / 998
Die Essener Äbtissin Mathilde gründete laut Überlieferung ein Frauenstift für die Töchter des Dienstadels. Der Stiftbezirk mit der Stiftskirche und den Stiftshäusern war von einer Mauer umgrenzt, die noch in Teilen vorhanden ist.
Das Essener Mutterstift war durch eine Pröpstin als oberste Würdenträgerin vertreten, die im gleichfalls noch vorhandenen Pröpstinnenhaus ihren Sitz hatte.

1247
Erstmals tritt im Zusammenhang mit der Essener Isenburg und den s. g. „Isenberger Wirren“ ein Heinrich von Vittinghoff als Burgmann des Kölner Erzbischofs Konrad von Hochstaden in Erscheinung, der die unmittelbar an Rellinghauser Gebiet angrenzende Isenburg 1243 erobert hatte. Der Erzbischof lässt ihm einen auf Rellinghauser Gebiet liegenden Hof an der heutigen Vittinghoffstraße zu einer Wasserburg, einer so genannten„Motte“, ausbauen. Nachfahren des Heinrich von Vittinghoff werden über Jahrhunderte hin die Rellinghauser Geschichte mitbestimmen.

1272
In einem Vergleich mit dem nunmehrigen Kölner Erzbischof Engelbert II. werden die Essener Vogteirechte neu geregelt. Das Stift Rellinghausen erhält einen eigenen Vogt und damit eine eigene Gerichtsbarkeit. Mit dem Amt wird Dietrich von Limburg, Nachfahre des 1226 hingerichteten Friedrich von Isenberg, belehnt.

1452
Johann „von den Vitinchave gen. Schele" kauft das „hus, geheten de berg“, damals ein von Wasser umschlossener steinerner Wohnturm. Im Laufe von Generationen wird er zur heutigen Anlage Schloss Schellenberg ausgebaut

1487
Cord von Vittinghoff-Schell und seine Frau Bate von Stael-Holstein stiften ein Hospiz für „arme und gebrechliche Leute, wandernde Scholaren und Pilger“, welches heute als Gaststätte unter dem Namen ‚Alte Dorfschänke’ betrieben wird.

1516
Am 25. Juli dieses Jahres wird von einem Schäfer in einem Dornenstrauch am Rellinghauser Mühlenbach ein Gefäß mit geweihten Hostien aufgefunden, welches tags zuvor beim Kirch-weihfest aus der Stiftskirche gestohlen worden war. Das „wunderbare Ereignis" erfuhr schon bald eine legendenhafte Ausschmückung und lockte auch Pilger an den Ort. Später wurde am Fundort eine Kapelle errichtet. Seit mehr als fünfhundert Jahren wird des Ereignisses am Sankt-Annen-Tag mit einer feierlichen Prozession von der Kapelle zur Stiftskirche gedacht.

1567
Der damalige Stiftsvogt Wilhelm von Eyll auf Haus Baldeney lässt einen bestehenden steinernen Turm zum Gerichtsturm umbauen.

1579
In diesem Jahr begannen die Rellinghauser Hexenprozesse, die bis 1591 geführt wurden und 42 Menschen das Leben kosteten. Die Prozesse fanden im Gerichtsturm statt, welcher auch als Gefängnis und Folterkammer diente. Der Straßenname „Hexentaufe" erinnert noch an ein mit der Hexenverfolgung in Zusammenhang stehendes Ritual. Die Hinrichtungen erfolgten auf dem „Galgenberg", der heutigen Schillerwiese.

1678
Domkantor Franz von Vittinghoff-Schell sichert mit einer „Schul- und Orgelstiftung“ die Anstellung eines Lehrers, der auch den Orgeldienst in der Kirche zu versehen hat. Damit ist für alle Kinder des Stiftbezirkes der Unterricht gesichert und somit eine der frühesten „Volksschulen“ ins Leben gerufen. Erstes Schulhaus mit Lehrerwohnung war das Fachwerkhaus unmittelbar neben der Kirche.

1802
wird nach über 800järigem Bestehen das Frauenstift aufgelöst

1833
Mit der Abteufung der Zeche Ludwig an der heutigen Rellinghauser Straße beginnt im Rellinghauser Raum die Zeit der Großzechen. Ihr folgen die Zeche Langenbrahm und später die Zeche Gottfried Wilhelm. Zeitweilig wurde hier auch Eisenstein gefördert.

1876
Am 1. Januar wird die Gemeinde Rellinghausen selbständige Bürgermeisterei. Erster Bürger-meister ist Josef Sartorius. Ein Jahr später kann das neue Rathaus seiner Bestimmung übergeben werden.

1905
findet im Stadtwald aus Anlass der 100. Todestages von Friedrich Schiller die Einweihung des Schillerbrunnens statt, mit dessen Gestaltung der Bildhauer Fritz Behn beauftragt wurde.

1908
ist Baubeginn der Zechensiedlung Gottfried-Wilhelm-Kolonie oberhalb der Ruhr links der Frankenstraße. Das Baukonzept des renommierten Architekten Oskar Schwer erhielt zahlreiche Auszeichnungen. In dem denkmalgeschützen ehemaligen Schulhaus gastiert seit 1986 die Kulturinitiative „Kunsthaus“.

1909
gibt die Familie von Vittinghoff-Schell aus Verärgerung über den Bau der Zeche Gottfried-Wilhelm in unmittelbarer Nähe ihres Schlosses nach über 650 Jahren Ansässigkeit den Wohnsitz in Rellinghausen auf und zieht ins familieneigene Schloss Kalbeck bei Goch am Niederrhein um. Die Verbundenheit mit dem alten Stammsitz findet ihren Ausdruck darin, dass die Mitglieder der Stammfamilie bis zu deren Aussterben 1994 weiterhin auf dem Rellinghauser Friedhof in der Familiengruft beigesetzt werden.

1935
kann die evangelische Gemeinde an der Oberstraße ihr neues Gotteshaus einweihen. Infolge der Industrialisierung war innerhalb weniger Jahre die Zahl der Gemeindemitglieder von ehemals ca. 800 auf 8000 angestiegen. Der Bau gilt als ein typischer Vertreter des damaligen „neuen Bauens“, in das Elemente klassischer Bauformen wie Ideen des Bauhauses einflossen

1966
stellen die Zechen Ludwig und Langenbrahm ihren Betrieb ein.

1972
wird auch die Zeche Gottfried-Wilhelm zusammen mit der Heisinger Zeche Karl Funke, mit der sie im Verbund ist, endgültig stillgelegt.

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