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Bauen
05.11.2021
15 Min

Neues vom BürgerRatHaus

Gebäude soll bis Ende 2026 am Standort Bernestraße / Steeler Straße entstehen


Der 30. Juni 2021 ist ein Datum, das in die Geschichte der Stadt Essen eingehen wird. Schließlich beschlossen die Ratsherren und -frauen an diesem Tag nicht irgendeine Ratsvorlage, sondern nach über vier Jahren Planung den Bau und Baubeginn des BürgerRatHauses am Standort des Alten Hauptbades und des ehemaligen JobCenters Essen an der Bernestraße.

Oberbürgermeister Thomas Kufen zum Bau und Baubeginn des BürgerRatHaus in der Ratssitzung am 30. Juni 2021

Das Projekt mit einem Volumen von etwa 161 Millionen Euro wird durch die Trennung von Front- und Back-Office, die Anordnung der Arbeitsplätze im Multi Space sowie die Digitalisierung der Verwaltungsprozesse die Stadt Essen und die Stadtverwaltung nicht nur organisatorisch und planerisch nachhaltig verändern.

Da waren sich die Gremienmitglieder, der gesamte Geschäftsbereichsvorstand um Oberbürgermeister Thomas Kufen und die Projektleiter Stefan Scheffel und Annette Heydorn einig. "Die dezidierte und ausführliche Prüfung des Entwurfs, die damit verbundene Identifizierung eventuell obsolet gewordener Flächen und die Abstimmung mit dem Generalplaner 'agn Niederberghaus und Partner GmbH' brauchten ihre Zeit. Das nun vorliegende Ergebnis kann sich definitiv sehen lassen", zeigt Stefan Scheffel sich mit dem bisherigen Projektverlauf sehr zufrieden.

Mehr bürgernahe Services an einem Ort

Zur nun abgeschlossenen Planungsphase gehörte unter anderem die kritische Überprüfung der im Entwurf vorgesehenen Flächen. So ermöglichte etwa die Verlagerung des Fitnessbereichs in das von außen nicht einsehbare Untergeschoss die Nutzung zusätzlicher Flächen im Erdgeschoss für bürgernahe Services. Für den Einzug waren bisher die innenstadtnahen Standorte des JobCenters Essen, das Amt für Soziales und Wohnen und Teile des Jugendamtes vorgesehen.

Um das Beratungs- und Serviceangebot im BürgerRatHaus zu ergänzen und noch attraktiver zu gestalten, bietet sich zusätzlich die Integration der Abteilungen des Einwohneramtes in das Gebäude an, die derzeit im Gildehof untergebracht sind. Nach eingehender Prüfung sind die Flächenbedarfe der Bereiche Verwaltung, der Fachabteilung Service und Wohnungsangelegenheiten sowie insbesondere des Bürgeramts in das BürgerRatHaus integrierbar.

Fassade des BürgerRatHauses wurde komplett überarbeitet

Bereits der erste Blick auf die neue Außenansicht des Entwurfs offenbart eine deutliche Veränderung: Überarbeitet wurde das Fensterraster, um eine durchgehende harmonische Linie vom Erdgeschoss zu den Obergeschossen zu gewährleisten. Vor allem jedoch ist es die Fassadenfarbe, die sich im Vergleich zum Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs komplett verändert hat: An das massive Sockelgeschoss mit Naturstein-Verkleidung schließt sich eine eloxierte Aluminium-Elemente-Fassade an und nimmt so nicht nur die Struktur und Farbgestaltung der benachbarten historischen Gebäude um die Alte Synagoge auf, sondern bindet das BürgerRatHaus in die bestehende Umgebung ein.

Alle Büroräume erhalten ein zu öffnendes Fensterelement zur natürlichen Lüftung. "Jeder Arbeitsplatz ist individuell zu belüften, zu beheizen und zu beleuchten", verkündet Projektleiter Stefan Scheffel nicht ohne Stolz: All das haben sich die Mitarbeiter*innen in der ersten Beteiligungsphase gewünscht. "Dass wir diesem Wunsch entsprechen konnten und zugleich die Sicherheit des Gebäudes nicht einschränken, indem sich die Fensterwangen nur etwa 45 Grad öffnen lassen, zeigt uns einmal mehr, wie wichtig es ist, dass sich die Mitarbeiter*innen der Stadt einmischen, mitmachen, uns ihre Bedarfe nennen und sich alle Beteiligten austauschen." Da überrascht es nicht, dass sich der außen liegende Sonnenschutz ebenfalls – außer bei Orkanböen – individuell steuern lässt und sich der Wunsch vieler Mitarbeiter*innen nach mehr Grün in der Essener City dank Dachbegrünung und Dachterrassen auf dem BürgerRatHaus erfüllt, wie Stefan Scheffel hinzufügt.

Während als Konstruktionsmaterial aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und des Brandschutzes Stahlbeton gewählt wurde, sind für den Fassadenbereich Aluminium und Muschelkalk vorgesehen – ein Konzept, das überzeugt: Die Fassadenelemente lassen sich gut reinigen, sind nachhaltig und optimal recyclingfähig. Als Gegenpol zu den eher cleanen Materialien im Außenbereich ist für den Innenausbau beispielsweise Holz vorgesehen, sodass insgesamt ein heller, offener und wertiger Charakter entsteht.

Abbruch der Bestandsgebäude von innen hat begonnen

Schon längst beschlossene Sache ist der Abbruch des alten Hauptbades und des ehemaligen JobCenters, auch bekannt als ehemaliges Gesundheitsamt der Stadt Essen. Den Abrissbeschluss fasste der Rat der Stadt bereits im September 2019, da eine Instandsetzung der Altgebäude nicht rentabel war und die bisherige Bebauung jedwede weitere Nutzung des Geländes verhinderte.

Der Abbruch der beiden Bestandsgebäude hat bereits Ende Mai begonnen. Von außen kaum sichtbar haben es diese Maßnahmen wortwörtlich in sich: Der aufwändige Rückbau beinhaltet die Trennung aller verbauten Materialien, um diese sortenrein dem Recycling oder der Entsorgung zuführen zu können. Auf Grund des riesigen Volumens der bestehenden Gebäude werden am Ende der Entkernung neben unzähligen Tonnen Glas, Metall und Bauschutts voraussichtlich allein etwa 320 Tonnen Kunststoffabfälle und 3.400 Quadratmeter Teppichböden wiederzuverwenden oder zu verwerten sein.

Die gesamte Entkernung wird nach aktuellem Stand etwa ein Jahr dauern, bevor der tatsächliche und sichtbare Abbruch der Gebäude beginnen kann. Die durch den Abbruch entstehende Baugrube soll zugleich für die Erstellung des Neubaus genutzt werden. Dieser wird voraussichtlich ab Januar 2024 errichtet und im Dezember 2026 bezugsfertig sein.

Dauerhaft flexibel

Viele Mitarbeiter*innen der Stadtverwaltung haben in den letzten Monaten die Vorteile des flexiblen Arbeitens, den Wechsel zwischen Homeoffice und dem angestammten Arbeitsplatz im Verwaltungsgebäude, kennengelernt – und damit eventuell auch die damit verbundenen Schwierigkeiten und Grenzen. Die Corona-Krise stellte die Stadt Essen vor ganz neue Herausforderungen, schließlich mussten schnell serviceorientierte digitale Lösungen gefunden und bestehende Prozesse verändert oder optimiert werden, um die Handlungsfähigkeit der Verwaltung zu erhalten. Damit ist die gegenwärtige Pandemie nicht Bremse, sondern vielmehr Katalysator des Projektes.

Es gibt kein Zurück mehr: Die Art und Weise, wie die Stadtverwaltung arbeitet und funktioniert, wird sich nachhaltig in eine agile, mobile und flexible Verwaltung verändern – ohne den Kontakt zu den Bürger*innen und Kolleg*innen zu verlieren. Der feste und regelmäßige Arbeitsort, wie im BürgerRatHaus vorgesehen, bleibt also als bedeutsamer Ort der Kommunikation und Begegnung bestehen, allerdings ist er nur eine von mehreren Optionen der modernen Arbeit.

Wie diese neuen Arbeitswelten, die Bereiche des Multi Space, aber beispielsweise auch die Beratungsbereiche im Front Office oder der Empfang ganz konkret genutzt werden sollen, welche Prozesse dafür optimiert und welche Regeln dafür gegebenenfalls sinnvoll sind, wird nun in einem nächsten Schritt der Mitarbeiter*innenbeteiligung erarbeitet. Die Ergebnisse sollen später in eine Hausordnung für das Gebäude einfließen.

Zukunft = Veränderung

Eine Eigenschaft jedweder Zukunft ist ihre Ungewissheit; sicher ist nur, dass Zukunft Veränderung bedeutet. Ein Gebäude, das sich an der Arbeit und den Bedarfen der Menschen, die dort arbeiten, orientiert – das ist daher die Idee hinter dem Konzept "BürgerRatHaus", das als Leitkonzept für die Ausrichtung der gesamtstädtischen Verwaltung dienen soll. Ob Pandemie, Einzug zusätzlicher oder anderer Abteilungen, Größe der einzelnen Büroflächen oder schlicht die Frage der Möblierung: Das BürgerRatHaus steht für Flexibilität und Offenheit, für variable Grundrisse und eine Ausstattung, die sich ohne großen baulichen Aufwand verändern und sich dem jeweiligen Bedarf anpassen lässt. Eine Leitplanke hinter dem Konzept des BürgerRatHauses lautet seit Anbeginn des Projektes "Flexibilität". Durch die Erfahrung der letzten Monate ist diese Leitlinie zur Maxime des Projektes geworden – und das wiederum ist damit mehr denn je bereit für die Zukunft.


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