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04.05.2022
6 Min

Essen wird gezählt

Zensus 2022 - Grundlagen für die Zukunft


Rund 40.000 Essener*innen haben im Mai 2022 Post erhalten. Sie wurden per Zufall für den Zensus 2022 ausgewählt, früher auch Volkszählung genannt. Der Begriff "Volkszählung" passt nicht mehr ganz, denn es geht beim Zensus weniger um das reine Zählen von einzelnen Personen in einem Land, sondern viel mehr um das Erfassen dazugehöriger Daten per Stichprobe. Sie bilden die Grundlage für wichtige (politische) Entscheidungen für die Zukunft: Wie viele Wohnungen fehlen beispielsweise in Essen und ganz Deutschland? Wie viele Alten- und Pflegeheime brauchen wir in den kommenden Jahren, um den Bedarf zu decken? Wie viele Kindergärten oder Studienplätze werden noch benötigt? Wie viel Geld wird der Stadt Essen beim kommunalen Finanzausgleich in den kommenden Jahren zugewiesen?

Die gewonnenen Daten beim Zensus können hierbei helfen, Antworten zu finden und in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens entsprechende Weichen zu stellen. Die amtliche Einwohner*innenzahl ist auch eine wichtige Grundlage für zahlreiche rechtliche Regelungen: Wahlkreise werden auf dieser Basis eingeteilt und bestimmt, genauso wie sich die Verteilung der Stimmen im Bundesrat an diesen Zahlen orientiert.

Oberbürgermeister Thomas Kufen zum Zensus 2022 (04.05.2022)

Ablauf des Zensus

Beim Zensus 2022 werden nicht nur Meldedaten aus den Verwaltungsdatenbanken genutzt. Es gibt auch stichprobenartige Befragungen und Online-Fragebögen. Neben der Zählung der Bevölkerung werden beim Zensus zusätzlich Informationen über den Stand der Bildung wie Schul- und Ausbildungsabschlüsse gesammelt, aber auch über Wohnungen und Gebäude abgefragt, da es dafür keine flächendeckenden Register gibt. Deshalb werden auch Besitzer*innen von Eigentumswohnungen und Wohngebäuden angeschrieben sowie Wohnheime oder Alten-, Pflege-, Kinder- und Jugendheime kontaktiert und befragt. Durch die hohe Fluktuation an diesen Orten sind Register-Angaben immer sehr ungenau. Der Zensus bietet die Möglichkeit, in diesen Bereichen einen genaueren Überblick zu erlangen.

Bei der Gebäude- und Wohnungszählung ist neben der Abfrage von Anzahl, Art und Größe beispielsweise auch interessant, welche Heizungsart verwendet wird, wie hoch die Nettokaltmiete ist und ob das Gebäude genutzt wird oder leer steht. So ergibt sich ein Überblick über Leerstände, können Mieten verglichen werden und Aussagen über Formen des Zusammenlebens (wie etwa Single-Haushalte, Familien, Mehrfamilienhäuser oder auch Wohngemeinschaften) getroffen werden. In welchen Regionen werden mehr altersgerechte oder familiengerechte Wohnungen benötigt? Wo müssen weitere Schulen und Kindergärten gebaut werden oder noch mehr Angebote für Alleinerziehende geschaffen werden? Mit den Ergebnissen des Zensus 2022 können solche Fragen und Themen deutlich genauer eingeschätzt und beurteilt werden.

Die Befragungen für den Zensus werden vom 16. Mai bis 7. August 2022 durchgeführt. Dafür nehmen ehrenamtliche Interviewer*innen Kontakt zu den ausgewählten Personen auf und verabreden die Befragung individuell. Die Befragung an sich und das Ausfüllen des Fragebogens dauern meist nur einige Minuten. Alle für den Zensus erhobenen Daten werden anonymisiert und ausschließlich für statistische Zwecke genutzt. Die Ergebnisse werden voraussichtlich ab Ende 2023 vorliegen.

Wie funktioniert der Zensus? Ein Erklärvideo (destatis)

Auswahl und Datenschutz

Die Stadt Essen legt besonderen Wert auf den Datenschutz. Es wurde deshalb extra eine Erhebungsstelle eingerichtet, bei der sich ausgewählte und geschulte Mitarbeiter*innen um die Organisation und Durchführung des Zensus 2022 kümmern. Diese Stelle arbeitet aus Datenschutzgründen sowohl räumlich als auch technisch streng abgeschottet vom Rest der Verwaltung.

Die Mitarbeiter*innen in der Erhebungsstelle und die Interviewer*innen sind zur Geheimhaltung verpflichtet und unterliegen der gesetzlichen Schweigepflicht. Die Online-Datenübermittlung erfolgt verschlüsselt. Die Auswertung der Daten erfolgt anonymisiert.

Aufgrund der großen Bedeutung und des hohen Werts dieser Daten ist der EU-weite Zensus gesetzlich vorgeschrieben. Die per Zufall ausgewählten Personen sind deshalb gesetzlich verpflichtet, am Zensus bzw. der Befragung teilzunehmen.

Hintergrund und früheres Vorgehen

In der Vergangenheit wurde bei Volkszählungen die komplette Bevölkerung befragt. Zuletzt 1987 im früheren Bundesgebiet der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und 1981 in der ehemaligen DDR – also vor der deutschen Vereinigung, vor der Einführung des Euro und vor der Erweiterung der Europäischen Union. 2011 gab es dann den ersten EU-weiten Zensus. In erster Linie werden hierfür Daten aus Verwaltungsregistern, beispielsweise Bürger- und Meldeämtern genutzt. So wird von der Mehrheit der Bevölkerung gar keine persönliche Auskunft mehr benötigt. Die Registerdaten werden durch eine Stichprobe und mit einer Abfrage zu Gebäuden und Wohnungen ergänzt. Die Stichprobe bei uns in Essen umfasst rund 40.000 Menschen, die für den Zensus 2022 befragt werden. Unter anderem aus statistischen und demographischen Gründen wird empfohlen, den Zensus alle zehn Jahre durchzuführen. 2021 wäre damit eigentlich der nächste Termin für den Zensus gewesen. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde er in das Jahr 2022 verschoben.

Informationen und Ansprechpartner*innen

Zum Zensus ergeben sich immer wieder Fragen, entweder von ehrenamtlichen Helfer*innen selbst oder von Befragten. Das ist absolut nachvollziehbar, schließlich handelt es sich um einen komplexen, aufwendigen Prozess mit vielen Beteiligten und hochsensiblen Daten. Interessierte finden Informationen und Ansprechpartner*innen zum Zensus 2022 auch auf www.essen.de/zensus.

Auf der bundesweiten Internetseite zum Zensus 2022 gibt es die wichtigsten Informationen und Erklärungen in 16 verschiedenen Sprachen, sowie in Leichter Sprache und Gebärdensprache.

Weitere Informationen und Zahlen rund um Essen, beispielsweise über bisherige Bevölkerungsdaten, Stadtteile und andere Statistiken bekommen Sie über die Rubrik Statistik der Stadt Essen.


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