Das Stadtmagazin
zurück zur Übersicht
Mobilität
Umwelt
20.05.2022
5 Min

Be-MoVe - Essen auf neuen Wegen

Ideen zur Mobilitätswende im Alltagstest


Die Wünsche und Herausforderungen zur Mobilitätswende sind groß: Die Menschen sollen schnell von A nach B kommen können, am besten kostengünstig oder kostenlos und so sicher und komfortabel wie möglich - das alles umwelt- und ressourcenschonend. In einer belebten Großstadt wie Essen mit knapp 590.000 Einwohner*innen, die zu den größten Pendler-Städten in NRW gehört, ist das ein Wunsch, der auf den ersten Blick kaum realisierbar erscheint. Die Stadt Essen geht diese Herausforderung dennoch an und will herausfinden, was es braucht, um den Essener*innen eine aktive, gesunde und umweltschonende Mobilität zu ermöglichen. Das Projekt "Be-MoVe" (Beteiligungsbasierte Transformation aktiver Mobilität für gesundheitsfördernde Stadt- und Verkehrsinfrastrukturen) soll genau dabei helfen.

Ziele des Projekts

Es geht vor allem darum, den Fuß- und Radverkehr in Essen zu stärken. Was genau benötigen die Menschen, um sich für das Zufußgehen oder Radfahren zu entscheiden, anstatt das Auto zu nutzen? Mit Aktionen und sogenannten Reallaboren direkt vor Ort soll das herausgefunden werden: Helfen breite und vom Auto- und Fußverkehr getrennte Radwege? Oder mehr Grün durch neue Bepflanzung auf Geh- und Radwegen, das auch mal im wahrsten Sinne des Wortes "über den Kopf" wachsen kann? Was wäre, wenn vorhandene Parkplätze ganz anders genutzt würden, beispielweise als Sitz- und Spielfläche für Anwohner*innen und insbesondere Kinder?

Gemeinsam mit Bürger*innen wird es dazu in den kommenden drei Jahren Workshops und Umfragen geben, Aktionsideen werden in Reallaboren in die Praxis umgesetzt und ausprobiert. Inhaltlich knüpft das Projekt damit an Beteiligungsformate wie das Bürgerforum, das Bezirksforum und den "Fußverkehrs-Check" der Stadt Essen an. Der Ausbau von Fuß- und Radverkehr ist ein wichtiger Baustein, um das Ziel der Stadt Essen bis 2035 zu erreichen: Eine gleichmäßige Verteilung der unterschiedlichen Mobilitätsarten Fußverkehr (25 Prozent), Radverkehr (25 Prozent), ÖPNV (25 Prozent) und Autoverkehr (25 Prozent), der sogenannte Modal Split (4x25 Prozent).

Aktionen in Holsterhausen und der Innenstadt

Das Projekt "Be-MoVe" konzentriert sich auf zwei städtische Räume, die geografisch direkt nebeneinanderliegen und ineinander übergehen: Es geht um den Stadtteil Holsterhausen und die Innenstadt. Zwischen 2022 und 2024 finden dort mehrere Aktionen statt, um die Ideen in der Alltagsrealität ausprobieren zu können. Straßen, Plätze und Räume werden temporär umgestaltet, sodass die Menschen Lust haben, sich dort aufzuhalten, Zeit zu verbringen oder gerne die Plätze überqueren und auf ihrem alltäglichen Weg von A nach B nutzen. Die Vernetzung und Verbindung der beiden Stadtteile ist dabei ebenfalls ein Thema: Immer noch werden viel zu viele Wege, vor allem auch sehr kurze Wege unterhalb von einem Kilometer, mit dem Auto gefahren, statt zu laufen oder aufs Rad zu steigen. Viele Wege erscheinen auch im näheren Umfeld offenbar nicht attraktiv und komfortabel genug, um sie zu Fuß oder mit dem Rad zu bewältigen. Auch hier will "Be-MoVe" herausfinden, welche Anreize es braucht, um dieses Verhalten zu ändern.

Mobilstationen

Ein Ansatz ist dabei auch, das vernetzte Angebot von verschiedensten Mobilitätsarten zu erhöhen. Mobilstationen, die es bereits vereinzelt in der Stadt Essen gibt, sollen an deutlich mehr Orten in den Stadtteilen eingerichtet werden. Ziel ist es, den Menschen einen schnelleren Zugriff auf Leihfahrräder, E-Scooter oder Sammeltaxis (Bussis) zu geben. Sie sollen zügig eine Mobilstation erreichen können, um damit beispielsweise ganz einfach vom Bus auf einen E-Scooter umzusteigen, um die letzten Meter bis zur Haustür oder dem Büro hinter sich zu bringen. Oder zu Fuß in kürzester Zeit eine Mobilstation zu erreichen, um ein metropolradruhr-Fahrrad auszuleihen. Hierbei wird auch an der Entwicklung neuer, kleinerer "Mobilpunkte" gearbeitet, an denen in der Regel zwei Mobilitätsangebote in Kombination angeboten werden sollen, beispielsweise Fahrradparken sowie Bike- oder Car-Sharing. So können Wohngebiete noch besser mit entsprechenden Angeboten erschlossen werden. Für das Nutzen von nachhaltiger Mobilität ist außerdem ein Bonusprogramm gemeinsam mit der Ruhrbahn Teil des neuen Angebots, das beim Projekt "Be-MoVe" ausprobiert werden soll. Auch das kann einen zusätzlichen Anreiz bieten, das Auto stehen zu lassen und stattdessen Bonuspunkte bei der Nutzung von Bus und Bahn, dem Fahrrad oder Car-Sharing zu sammeln.

Großes Thema bei "Be-MoVe" ist also die umweltschonende Fortbewegung. Begleitend dazu geht es aber auch um das unterschiedliche Erleben, Wahrnehmen und die Gesundheit. "Be-MoVe" ist ein interdisziplinäres Forschungs- und Praxisprojekt: Mit an Bord sind neben der Stadt Essen auch das Institut für Mobilitäts- und Stadtplanung (imobis) der Universität Duisburg-Essen und das Institut für Urban Public Health (InUph) der Universitätsmedizin Essen. Es findet also unter wissenschaftlicher Beobachtung statt. Mit Anwohner*innen und Akteur*innen der Stadtteile wird gemeinsam erforscht, wie sich das mobile (Er-)Leben und der Alltag verändern können.

Ein Augenmerk wird außerdem auf die Akustik der Straßenräume gelegt: Welchen Einfluss haben Geräusche und Klänge einer Großstadt auf die Aufenthalts- und Lebensqualität sowie auf das Mobilitätsverhalten? Über Kieswege zu fahren oder zu gehen ist ein ganz anderes, natürlicheres "Lauf- und Fahrerlebnis", als über harten Asphalt. Ziel ist es, mit "Be-MoVe"“ in Realexperimenten zu erproben, Räume so zu gestalten, dass sie eine aktive, nachhaltige und gesundheitsfördernde Mobilität ermöglichen und unterstützen.

Das Projekt "Be-MoVe" wird von der Grüne Hauptstadt Agentur der Stadt Essen koordiniert und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in der Förderlinie Mobilitätswerkstatt 2025 gefördert.

Weitergehende Informationen

Die Stadt Essen ist in vielen weiteren Bereichen für die Mobiltätswende aktiv. Hier finden Sie Informationen rund um

oder auch zu anderen großen Projekten und Aktionen wie


zurück zur Übersicht
© 2021 Stadt Essen