Essen ist gefragt! Wo wollen wir wohnen?

Erstes Bürgerforum: Wohnungsbau im Fokus

Unter dem Titel "Essen ist gefragt! Wo wollen wir wohnen?" lud die Stadt Essen am 17. November 2018 zu ihrem ersten Bürgerforum ein. In der Messe Essen kamen 420 Essener*innen zusammen, um stellvertretend für die gesamte Bürgerschaft darüber zu beraten, welche Flächen in Essen zukünftig als Wohnbauflächen entwickelt werden sollen.

Entscheidung über die Empfehlung des Bürgerforums

Der Rat der Stadt Essen hat am 11. Dezember 2019 über die Ergebnisse des Bürgerforums "Wo wollen wir wohnen?" entschieden. Sieben Flächen der Priorität 1 und 2 werden in das Arbeitsprogramm Bauleitplanung aufgenommen. Die Verwaltung geht davon aus, dass dort 2.100–2.800 Wohneinheiten realisiert werden könnten. Über den Punkt 2 der Verwaltungsvorlage, die 13 Flächen der Priorität 3 des Bürgerforums weitergehend zu überprüfen, wurde nicht entschieden. Damit ist das Bürgerforum "Wo wollen wir wohnen?" abgeschlossen.

Mehr Informationen zur Ratsentscheidung

Bürgerforum – Möglichkeit zur Mitgestaltung
Essen wird als Wahlheimat immer beliebter: Von Familien über Auszubildende und Studierende bis hin zu Menschen mit Zuwanderungsgeschichte suchen Menschen jeden Alters und in unterschiedlichen Lebenssituationen in der Stadt ihr neues Zuhause. Daher wächst die Bevölkerung stetig an: Im Jahr 2019 hat das Amt für Statistik, Stadtforschung und Wahlen ermittelt, dass die Bevölkerung bis zum Jahr 2030 auf 597.000 Einwohnerinnen und Einwohner steigen wird. Damit einhergehend muss auch in Zukunft für ausreichend guten wie bezahlbaren Wohnraum gesorgt werden.

Alleine bis zum Jahr 2030 benötigt Essen bis zu 16.500 Wohnungen, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Dies ergab die "Wohnungsnachfrageanalyse 2025+" (Stand: Januar 2018). Da jedoch nur ein Flächenpotential für etwa 7.500–11.500 Wohnungen besteht, fehlt Raum für rund 5.000–9.000 Wohnungen. Vor diesem Hintergrund bezog die Stadt Essen ihre Bürger*innen in die Entwicklung der Stadt ein: So stellte das Bürgerforum "Wo wollen wir wohnen?" ihnen die wichtige Frage, wo dieser Bedarf vorzugsweise realisiert werden kann und soll.

Repräsentativer Bevölkerungsquerschnitt nahm teil
Die Teilnehmenden der Veranstaltung wurden nach den Kriterien Geschlecht, Alter, Stadtteil und Staatsangehörigkeit per Losverfahren so ausgewählt, dass sich ein möglichst realitätsnaher Querschnitt der Essener Bevölkerung aus dem Einwohnerregister ergab. Alle Bürger*innen hatten identische Chancen gezogen zu werden. So lud Oberbürgermeister Thomas Kufen 500 zufällig ausgewählte Essener*innen aus allen Stadtbezirken persönlich zur Teilnahme am Bürgerforum ein, 420 von ihnen nahmen teil.

So erarbeiteten die Mitwirkenden ein Ergebnis
Die Teilnehmenden des Bürgerforums erhielten einen Überblick über 93 Flächen im gesamten Stadtgebiet, die für die Nachverdichtung oder den Neubau von Wohnungen genutzt werden könnten. Zu diesem Zweck informierten eigens angefertigte Steckbriefe der jeweiligen Flächen die Mitwirkenden über die örtlichen und fachlichen Gegebenheiten. Dazu hatten die verschiedenen Fachämter der Verwaltung zuvor eine erste grobe Einschätzung der fachlichen Eigenschaften mittels Ampelfarben abgegeben, die als Diskussionsgrundlage diente.

Hier finden Interessierte sämtliche Flächensteckbriefe, auf deren Basis die Teilnehmer des Bürgerforums die Flächen bewerteten. (pdf, 7256 kB)

In Kleingruppen betrachteten die Teilnehmenden die Flächen genauer, bewerteten diese und setzten sie im Sinne ihrer Eignung für den Wohnungsbau zueinander ins Verhältnis: So vergaben sie fünf Prioritäten – von Priorität 1 "sehr gut geeignet" für Wohnungsbau bis hin zu Priorität 5 "sehr schlecht geeignet". Ansprechpartner*innen aus verschiedenen Fachämtern der Stadtverwaltung, Vertreter*innen der Fraktionen im Rat, sowie Wohnungsbauexperten unterstützten sie dabei.

Ergebnis des Bürgerforums

28 Flächen für Wohnbebauung priorisiert

Auf diese Weise erarbeiteten die Bürger*innen eine Empfehlung, welche Flächen sich für neuen Wohnraum eignen und welche vorerst keine Berücksichtigung finden sollen. Insgesamt 28 Flächen wurden den Prioritäten 1 und 2 zugeordnet. Diese befinden sich überwiegend in bereits bebauten Arealen, die schon jetzt gut erschlossen sind. Verteilt sind sie über das gesamte Stadtgebiet mit Ausnahme des Stadtbezirks IX, der Bredeney, Schuir, Werden, Heidhausen, Fischlaken und Kettwig umfasst. In diesen Stadtteilen konnten die vorgeschlagenen Flächen die Essenerinnen und Essener weniger überzeugen, da eine Bebauung hier vor allem bislang noch unversiegelte Freiflächen betreffen würde. Weitere 13 Flächen erhielten die Priorität 3. Die verbleibenden 52 Flächen wurden für eine Wohnbebauung als schlecht bis sehr schlecht geeignet eingestuft.

Hier finden Interessierte eine Übersicht über sämtliche Flächenpriorisierungen des Bürgerforums. (pdf, 46 kB)

Intensive Prüfung der Ergebnisse
Die Anregungen, Wünsche und Ergebnisse aus dem Bürgerforum wurden von der Stadtverwaltung gesichtet, ausgewertet und aufbereitet. Am 7. März 2019 erfolgte im Ausschusses für Stadtentwicklung und Stadtplanung die politische Beratung der Ergebnisse sowie des weiteren Umgangs mit diesen. Daraufhin beschloss der Rat der Stadt Essen am 27. März 2019 eine tiefergehende Prüfung der 28 Flächen, die aus dem Bürgerforum als geeignet hervorgegangen waren. Dementsprechend hat die Verwaltung die Flächen mit den Prioritäten 1 und 2 näher auf eine Verwirklichung von Wohnbebauung geprüft. Für jede Fläche wurde unter anderem untersucht, welche bauliche Dichte und weitere Nutzungen an den Standorten möglich wären und es erfolgte eine Abfrage der Entwicklungsinteressen der Eigentümer der Grundstücke.

Sieben Flächen für Wohnbebauung geeignet
Darauf basierend wurden insgesamt sieben Flächen zur Aufnahme in das Arbeitsprogramm Bauleitplanung identifiziert:

  • Dinnendahlstraße – Huttrop
  • Raadter Straße (ehem. Gärtnerei, Tennisplatz) - Haarzopf
  • Sportplatz Serlostraße - Altendorf
  • Seumannstraße - Altenessen-Süd
  • Stauderstraße/ Emscher Straße - Katernberg
  • Bonifaciusstr. 187 - Schonnebeck
  • Alleestraße 22 - Freisenbruch

Die Verwaltung geht davon aus, dass auf diesen 2.100–2.800 Wohneinheiten realisiert werden könnten. Grundsätzlich weisen alle geprüften Flächen weitere Restriktionen auf, sodass gegensätzliche Belange in jedem einzelnen Bauleitplanverfahren berücksichtigt und abgewogen werden müssen.

Am 5. Dezember 2019 hat der Ausschuss für Stadtentwicklung und Stadtplanung beraten und empfohlen, dass die sieben geeigneten Flächen in das Arbeitsprogramm Bauleitplanung aufgenommen werden sollen. Für den Punkt 2 der Verwaltungsvorlage, der eine weitergehende Überprüfung der 13 Flächen der Priorität 3 vorsieht, wurde keine Empfehlung ausgesprochen.

Rat beschließt sieben Flächen in das Arbeitsprogramm Bauleitplanung aufzunehmen
Am 11. Dezember 2019 hat der Rat der Stadt Essen über die Ergebnisse des Bürgerforums "Wo wollen wir wohnen?" entschieden: Die sieben Flächen der Priorität 1 und 2 werden in das Arbeitsprogramm Bauleitplanung aufgenommen. Die Verwaltung geht davon aus, dass dort zwischen 2.100 und 2.800 Wohneinheiten realisiert werden könnten. Grundsätzlich weisen alle geprüften Flächen weitere Restriktionen auf. Gegensätzliche Belange müssen in jedem einzelnen Bauleitplanverfahren berücksichtigt und abgewogen werden. Über die Überprüfung der die 13 Flächen der Priorität 3 wurde nicht entschieden.

Zusätzlich wurde die Verwaltung beauftragt, Grundstücke zu identifizieren und wenn möglich zu kaufen, um Altlasten- und Brachflächen für mögliche Bebauungen zu revitalisieren. Eine erste Liste soll den Gremien bis zur Sommerpause 2020 vorgelegt und dann jährlich fortgeführt werden.

Zum Abschluss des Bürgerforums "Wo wollen wir wohnen?" bedankten sich Oberbürgermeister Thomas Kufen und die gesamte Stadtverwaltung nochmals bei allen Bürger*innen sowie weiteren Beteiligten für ihre Teilnahme und ihr Engagement.

Dokumentationen zum Bürgerforum "Wo wollen wir wohnen?"

Als Ansprechpartner*innen für weitere Fragen stehen Ihnen persönlich zur Verfügung:

Melanie Grüter
Amt für Stadtplanung und Bauordnung
Projektleiterin
Telefon +49 201 8861 358

Jaqueline Benning
Amt für Stadtplanung und Bauordnung
Telefon +49 201 8861 61214

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