Verfügungsfonds im Stadtteilprojekt MITTE/OST

Der Verfügungsfonds ist ein Angebot für die Bewohner*innen der Stadtteile und wichtiger Bestandteil des Städtebauförderprogramms "Sozialer Zusammenhalt". Er unterstützt städtebaulich und wirtschaftlich benachteiligte Stadtteile nachhaltig. Mithilfe des Verfügungsfonds können Projektideen im Quartier gefördert werden. Beispiele für solche Projekte sind Nachbarschaftsfeste oder künstlerische Gestaltungen im Wohnumfeld. Die Lenkungsgruppe für das Stadtteilprojekt MITTE/OST entscheidet über die Vergabe der Mittel auf Basis der Förderrichtlinien und Geschäftsordnung. Bis zum Jahr 2025 wurden 27 verschiedene Projekte mit einer Fördersumme von insgesamt knapp 200.000 Euro bewilligt. Ein Großteil dieser Projekte und Maßnahmen wurden bereits umgesetzt.

Im Rahmen des Verfügungsfonds konnten bisher die folgenden Projekte umgesetzt werden:

Stadtgespräch City.Nord

Mit dem neuen Beteiligungsformat "Stadtgespräch City.Nord – Lasst uns reden" startete in der nördlichen Essener Innenstadt ein strukturierter Dialog zwischen Bewohner*innen, Gewerbetreibenden und Institutionen. Bis Ende 2026 sind vier moderierte Quartierskonferenzen geplant, die zentrale Themen wie Sicherheit, Sauberkeit, Wohnen und Aufenthaltsqualität aufgreifen. Die Auftaktveranstaltung fand am Sonntag, 7. September 2025, von 11 bis 14 Uhr in der Kreuzeskirche unter dem Titel "…über unser Image und wie es sich verändern kann!" statt, mit Präsentationen zu aktuellen Projekten, Fachvorträgen und Raum für persönlichen Austausch. Seit Herbst 2024 bereitet ein breiter Kreis mit der ISG City.Nord, der Ehrenamt Agentur Essen e.V., der Tulpe Plattform für Jugend und Familie e.V., der Stabsstelle Kultur- und Kreativwirtschaft (KURTI), der Zukunftswerkstadt Essen, der Kreativ-Kathedrale TRUDI sowie zahlreichen engagierten Bewohner*innen die Veranstaltungen gemeinsam vor. Zunächst sind vier Quartierskonferenzen bis Ende 2026 geplant.“
Weitere Infos zu dem Format finden Sie hier.

Spiele-Bollerwagen

Das Projekt "Spiele-Bollerwagen" der cse gGmbH hatte zum Ziel, die Integration von Familien aus der Roma-Community im Ostviertel zu verbessern. In zwei Häuserblocks lebten zahlreiche Familien, die bislang nur begrenzten Zugang zu lokalen Angeboten wie Schulen, Kindergärten oder dem Treffpunkt Elise hatten. Seit Mai 2024 wurde jeden Montag ein "Teemobil" für Grundschulkinder angeboten. Ergänzend kam der Spiele-Bollerwagen zum Einsatz, der den Kindern, die nachmittags oft unbeaufsichtigt spielten, sinnvolle Beschäftigungen und Sprachpraxis bot. Das Angebot wurde von einer deutschsprachigen Honorarkraft betreut. Ein weiteres Ziel des Projektes war es, über die Kinder auch die Eltern zu erreichen und sie in das bestehende Hilfesystem einzubinden. Das Angebot fand in der Nachbarschaft großen Anklang.

Kunst und Begegnung rund um die Frida

Das Projekt des Fördervereins der Frida-Levy-Gesamtschule e.V. "Kunst und Begegnung rund um die Frida" bot den Schüler*innen der fünften Klasse eine kreative Möglichkeit, ihren Stadtteil sowie gesellschaftliche Themen zu erkunden. Während der Projektwoche vom 7. bis 10. Oktober 2024 kombinierten die Teilnehmenden künstlerische und theaterpädagogische Ansätze, um ihre Umgebung aus neuen Perspektiven zu betrachten. Im Rahmen eines Demokratieprojekts setzten die Schüler*Schülerinnen Funk-Kopfhörer ein und arbeiteten mit einer Theatermethode, um über ihre Schule und das Umfeld zu reflektieren. Sie äußerten Wünsche zur Verbesserung der Infrastruktur und beschäftigten sich mit gesellschaftlich relevanten Themen wie Rassismus und Homophobie. Den Höhepunkt der Woche bildete die Ausstellung am 10. Oktober 2024 in der Aula der Schule, in der Fotografien, Zeichnungen und Graffiti-Entwürfe präsentiert wurden. Ein weiteres Highlight war der "Frida-Levy-Tag" am 19. Dezember 2024, an dem Eltern und Familien eingeladen waren, die Kunstwerke zu betrachten und sich über den Stadtteil auszutauschen.

Literaturfest 2025

Das "Literaturviertelfest" fand am 26. April 2025 in der Akazienallee statt und entstand in Kooperation mit der Buchhandlung Proust, dem Medienunternehmen CORRECTIV und weiteren lokalen Partnern rund um den LeseRaum in der Akazienallee. Im Stundenrhythmus wurden Lesungen, Autorinnen- und Autorengespräche, politische Diskussionen, musikalische Darbietungen sowie interaktive Aktivitäten im Straßenraum angeboten. Für die Veranstaltung wurde die Akazienallee für den Autoverkehr gesperrt, um einen offenen Begegnungsort für Literaturinteressierte zu schaffen. Die Literarische Gesellschaft Ruhr e.V. stellte Sitzgelegenheiten und Tische für Besucher*innen und Institutionen bereit, organisierte einen Bücherflohmarkt und plante interaktive Spiele. Getränke und Speisen, darunter Kuchen und Waffeln, wurden über die Buchhandlung Proust verkauft. Ergänzend zum Literaturviertelfest rief die Literarische Gesellschaft Ruhr e.V. einen "Literaturfrühling" aus, der von April bis Juni 2025 zahlreiche Lesungen und Veranstaltungen umfasste.

Stadtteilfest Ostviertel

Das "Stadtteilfest Ostviertel" wurde von der Aidshilfe Essen e.V. organisiert und brachte die Bewohner*innen nach Jahren eingeschränkter Begegnungsmöglichkeiten wieder zusammen. In den barrierefrei zugänglichen Vereinsräumen fanden Führungen statt, Flipcharts ermöglichten das Sammeln von Wünschen für den Stadtteil und kostenlose Getränke sowie Grillgut luden zu Gesprächen ein. Das Fest half, Vorurteile und Berührungsängste abzubauen, die Vielfalt der Bewohner*innen zu zeigen und die Identifikation mit dem Stadtteil zu stärken, indem es Menschen unterschiedlichen Alters, kultureller Herkunft und sozialer Hintergründe zusammenbrachte und ihnen die Möglichkeit bot, in ungezwungener Atmosphäre miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsame Ideen für die Nachbarschaft zu entwickeln. Die angrenzende Frida-Levy-Gesamtschule und die Quartiershausmeister*innen wurden ebenfalls einbezogen, um die Vernetzung über das Fest hinaus zu fördern.

Kurdische Kulturtage Essen 2022

Im Rahmen der Kurdischen Kulturtage, organisiert durch den Verein Yekmal e.V., fanden im Frühjahr 2022 in Essen mehrere niedrigschwellige Veranstaltungen statt, um die Essener Innenstadt durch inter­kulturelle Begegnungen zu beleben. Am 26. März 2022 wurde zunächst im Begeg­nungs­zentrum Weberplatz ein Fest zur Begrüßung des Frühlings und "neuen" Jahres gefeiert, das sich unter anderem durch kreative Aktivitäten für Kinder, einer mehr­sprachigen Vorlesestunde und einem Austausch bei Kaffee und Kuchen auszeichnete. Am 8. April 2022 las der Autor Seyidxan Kurij im Rahmen einer musikalisch begleiteten Lesung aus seinem Buch "Märchen aus Kurdistan" mit anschließen­dem Autorengespräch. Ziel der Veranstal­tungen war es, durch das Kennen­lernen neuer Traditionen Gesprächs­anlässe zu fördern und Begegnungs­möglich­keiten zu schaffen. Die offenen Veranstaltungen waren offen für die Nachbarschaft und wurden gut besucht.

Der Löwe bleibt Löwe

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November initiierte Yekmal e.V. im VielRespektZentrum zudem eine Lesung mit Khonaf Hajo, Gründerin des Vereins Ronahi e.V. In ihrem Buch "Der Löwe bleibt Löwe, ob Mann oder Frau" aus dem Jahr 2022 erzählte Hajo von kurdischen Frauen aus drei Generationen, die über ihre Erfahrungen zwischen Kurdistan und Deutschland berichten, einschließlich gesell­schaft­lichem Zwang, Gewalt, Befreiung, Stärke und neuen Lebens­entwürfen. Nach der Lesung diskutierten Prof. Dr. Cinur Ghaderi, Dr. Dersim Dagdeviren und die Autorin über migrantische Frauen­biografien. Der Abend wurde musikalisch begleitet und durch einen kleinen Imbiss abgerundet. Die gut besuchte Veranstaltung konnte so auf das Thema "Gewalt gegen Frauen" aufmerksam machen. Mit der Lesung wurde die kulturelle Belebung des Stadtteils gefördert, der inter­kulturelle Dialog gestärkt und das mehr­sprachige Kulturleben in der Innenstadt bereichert.

kreative Nachbarschaft

Das Projekt "kreative Nachbarschaft" des Vereins Lokalfieber e.V. stärkt die nördliche Innenstadt durch Vernetzung und Öffentlich­keits­arbeit, fokussiert auf die Bedürfnisse der Bewohner*innen. Seit vielen Jahren ziehen Kreative aufgrund günstiger Mieten vermehrt in die nördliche Innenstadt: Das Projekt nutzt diesen Aufschwung um die Innenstadt weiter zu beleben. Zu den umgesetzten Maßnahmen zählen regelmäßige Austausch­treffen für Kultur­schaffende, Schau­fenster­ausstellungen, Konzerte und Lesungen mit Künstler­gesprächen, Konzerte und Lesungen während regulärer Geschäfts­öffnungs­zeiten und eine Nach­barschafts­party. Diese Projekte sollten die Motivation der ansässigen Kulturschaffenden steigern und neue Künstler*innen anziehen. Ziel war es somit die nördliche Innenstadt von einem benach­teiligten Stadtteil in ein lebenswertes Quartier zu verwandeln. Eine breite Öffentlich­keits­arbeit präsentiert die Angebote im Stadtteil und regt zur aktiven Teilnahme an.

Initiative Fachgeschäfte

Ziel des noch laufenden Projekts "Initiative Fachgeschäfte" der Ehrenamt Agentur Essen e.V. ist es ebenfalls die Wahr­nehmung der nördlichen Innenstadt zu einem lebens­werten Quartier zu verwandeln. Die Viehofer Straße soll als Straße der Fachgeschäfte mit vielfältigen Handels- und Dienst­leistungs­angeboten sowie Fach­kompeten­zen präsentiert werden, die zum Besuch einladen. Eine Gemeinschaft aus Unternehmen, Dienstleistern und Bürgerschaft wurde gebildet, um das Quartier tatkräftig und engagiert aufzuwerten, wodurch weitere potenzielle Fachgeschäfte angezogen werden sollen.

Die Ehrenamt Agentur Essen e.V. übernimmt die Rolle als "Anker-Fachgeschäft" und ist Teil eines aktiven Netzwerks aus Zivilgesellschaft, Unternehmen, Handel, Verwaltung und Wissenschaft. Dieses Netzwerk bildet eine Grundlage für die Umsetzung neuer bedarfs­gerechter Angebote, die zur positiven Wahrnehmung der Innenstadt beitragen. Das Projekt ist in zwei Phasen unterteilt: In Phase 1, von Februar bis Juni 2023, wurden Teilnehmende akquiriert und eine engagierte Interessengemeinschaft entwickelt. In Phase 2 sollen konkrete Projekte oder Maßnahmen umgesetzt werden, die sich aus Phase 1 ergeben haben.

Hallo Nachbar

Die Neuauflage des Aktions­tages "Hallo Nachbar" der Caritas-SkF-Essen gGmbH ist ein weiteres Projekt, welches durch den Verfügungs­fonds gefördert wurde: Die Grundidee dieser Veranstaltung äußert sich darin, dass der zentral gelegene Storpplatz, unmittelbar von dem Haus "Storp9" im Südostviertel, am 23. August 2023 als "Wohnzimmer"für verschiedene Länder und Kulturen diente. Jedes teilneh­mende Land hatte einen Pavillon mit Bierzelt­garnitur zur Verfügung und präsentierte - ergänzt durch ein ausgiebiges kulinarisches Angebot - unter dem Thema "Kopfsache" verschiedene Kopf­bedeckun­gen der jeweiligen Kultur präsentieren. Ziel dieser Veranstaltung war es den Bewohnerin­nen*Bewohnern des Stadtteils die Vielfalt an Kulturen und deren Lebens­gewohn­heiten im Südostviertel näher zu bringen. Es wurden Begegnungen und Begeg­nungs­räume geschaffen und das Verständnis gegenüber verschiedenen Kulturen gefördert.

Essen - Meine Stadt

Die teilnehm­enden Kinder und Jugendlichen entdeckten im Rahmen des Workshops "Essen - meine Stadt" durch die Folkwang Musik­schule die nördliche Innenstadt und besuchten mehrere Galerien und historische Orte wie die Kreuzes­kirche und das GOP-Varieté-Theater. In den Galerie­räumen von Anette Schnitzler entwickelten die teilnehmen­den Kinder und Jugendlichen Ideen für eine kreative Aufwertung der City.Nord, begleitet von der Künstlerin Anne Berlit und der Kunst­vermittlerin Hella Nocke-Schrepper. Ein Besuch der Baustelle am Weberplatz thematisierte die Verän­derungen im Nordviertel und inspirierte die Kinder zu Modellen aus verschiedenen Materialien, die ihre Vision einer zukunfts­orientierten NordCity darstellen. An der Säule auf der Viehofer Straße wurden die Ideen der Kinder am letzten Workshoptag angebracht. Das Projekt zielte somit auf die Verbes­serung der Lebens­qualität im Nordviertel, besonders für die junge Generation. Abschließend wurden die Modelle bei einer Finissage präsentiert, zu der Familien, Freundinnen*Freunde, Passantin­nen*Passanten und die Presse eingeladen waren.

Theatino - ein Kino wird zur Theaterbühne

Die Zielsetzung des Verfügungsfondsprojekts "Theatino" war es, das Kino Eulenspiegel im Südostviertel langfristig wieder zu einem kulturellen Anziehungspunkt und einem neuen Zuhause für Künstler*innen aus Essen zu machen. Die Kulturveranstaltungen zielten darauf ab, das Image des Stadtteils und der Steeler Straße zu verbessern. Viele Teilnehmer*innen gaben an, dass sie das Kino oder die Steeler Straße schon länger nicht mehr besucht hatten, aber durch die Reihe "Theatino" das Filmkunsttheater und sein Filmprogramm wieder intensiver wahrgenommen hatten. Konkret fanden fünf Abendveranstaltungen von Januar bis Mai 2024 mit Künstlerinnen*Künstlern aus dem Ruhrgebiet statt. Diese trugen insgesamt zur Förderung der lokalen Kultur und Gastronomie sowie zur Stärkung der Gemeinschaft im Stadtteil bei. Auch 2025 wurde die Reihe über den Verfügungsfonds gefördert und erneut durchgeführt. Die Veranstaltungen waren ein voller Erfolg und festigten das Kino Eulenspiegel weiter als kulturellen Treffpunkt im Südostviertel.

2015 - was haben wir geschafft?

Am 11. Oktober 2023 fand im Rahmen der Veranstaltung "2015 - was haben wir geschafft?" des Vereins viertelimpuls e.V. eine Veranstal­tung mit Lesung, Musik und Ausstellung statt. Im Mittelpunkt der Lesung stand Moutasm Alyounes, der sein auto­bio­grafisches Werk "Die Wahrheit aus meiner Sicht" vorstellte. In diesem Buch setzt er sich intensiv mit seiner Flucht und dem Ankommen in Deutschland auseinander. Frau Dr. Marina Sauer präsentierte die Studie "Syrische Community in Essen" und leitete eine Diskussion sowie einen Austausch über die Ergebnisse der Studie. Die Veranstaltung wurde von einem musikalischen Rahmen­programm begleitet, das für eine stimmungs­volle Atmosphäre sorgte. Etwa 120 Gäste nahmen teil, darunter ein gemischtes Publikum mit vielen jungen Menschen und Personen mit Migrations­hintergrund.

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