Dreidimensionale Objekte im Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv

Anders als Museen, deren Aufgabe es ist, das gegenständliche Kulturerbe, historische Artefakte oder Kunst für die Nachwelt zu bewahren, aufzubereiten, zu erforschen zu vermitteln, besteht der gesetzliche Auftrag der Archive in der dauerhaften Aufbewahrung, Nutzbarmachung und Vermittlung des schriftlichen Kulturerbes. Das heißt, Archive verwahren in erster Linie Schriftgut, d.h. in der Regel auf Papier oder Pergament niedergeschriebene Informationen in verschiedenen, sich im Lauf der Zeit wandelnden Formaten und Überlieferungsformen, wie sie diese Ausstellung exemplarisch zeigt. In jüngster Zeit kommen noch elektronische Unterlagen hinzu. Dabei handelt es sich um Daten, die aufgrund der im digitalen Bereich grundlegenden Trennung von Information und Informationsträger künftig unabhängig vom ursprünglichen Speichermedium und Format in ihrer Lesbarkeit ebenso dauerhaft zu erhalten sind wie die analogen Unterlagen. Dies stellt die Archive vor große Herausforderungen.
Obwohl der Auftrag der Archive in der Überlieferung schriftlicher Information besteht, finden sich in den Archivbeständen immer wieder auch besonders gestaltete Schriftstücke oder auch kleinere dreidimensionale Objekte, die durch ihre besondere Form und Gestalt herausstechen und zum Teil durchaus künstlerischen bzw. musealen Charakter besitzen.
Derartige Objekte kommen zwar gelegentlich auch in der amtlichen Überlieferung vor, sind aber vor allem in den nichtamtlichen Beständen, in Sammlungen und Nachlässen, zu finden, die den öffentlichen Archiven von Privaten überlassen werden. In der ansonsten meist zweidimensionalen archivischen Überlieferung stechen diese Stücke besonders hervor.

Ehrenbuch des Carl-Humann-Gymnasiums


Ehrenbuch für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Schüler des Carl-Humann-Gymnasiums (1951).
Signatur: 214 Nr. 550.

Das sogenannte Ehrenbuch ist Teil des Schularchivs des Carl-Humann-Gymnasiums, das sich seit 2008 im HdEG befindet. Angelegt wurde es von Dr. Ferdinand Gaillard (geboren 1878), dem langjährigen (stellvertretenden) Direktor des Carl-Humann-Gymnasiums, der von 1907 bis 1949 an der Schule tätig war, nach dessen endgültigem Ausscheiden aus dem Dienst 1951.
Mit dem Ehrenbuch wollte Gaillard namentlich an 127 ehemalige gefallene Schüler und einen gefallenen Lehrer des Carl-Humann-Gymnasiums erinnern, um ihnen ein "dauerndes Andenken bei der Nachwelt zu sichern". Siebzig der ehemaligen Schüler waren direkt von der Schulbank eingezogen worden. Die meisten der Gefallenen hatte Gaillard in seiner langen Schullaufbahn selbst unterrichtet und sich persönlich von ihnen verabschiedet, als sie eingezogen wurden. Während des Krieges stand er mit vielen von ihnen in Briefkontakt.
Das Ehrenbuch umfasst insgesamt 133 Seiten einschließlich des fünfseitigen Vorwortes "Zum Geleit". Bis auf eine Seite sind alle 128 Biografie-Seiten jeweils mit einem Foto, dem Namen des ehemaligen Schülers und einem kurzen Text versehen, der Angaben zum Alter, zum Beruf bzw. Berufswunsch und dem Kriegseinsatz enthält. Die jüngsten Gefallenen sind 1929 geboren. Aufgeführt sind auch einige wenige, die bei Bombenangriffen auf Essen ums Leben kamen. Auf die Nennung hoher militärischer Aufzeichnungen und Ränge verzichtet Gaillard.
Den künstlerischen Einband, auf dessen Vorder- und Rückseite drei Kreuze abgebildet sind, gestaltete der ehemalige Studienrat Robert Kober. Ausgeführt wurde der Entwurf in Messingfolie vom damaligen Untersekundaner Fritz Kreidt; die Gestaltung der einzelnen Seiten übernahm die langjährige Schulsekretärin Henriette Buchholz, die die Texte sorgfältig mit der Schreibmaschine auf Kunstpapier schrieb.

Werbematerialien und Alltagsgegenstände


Werbematerialien der "Grünen Hauptstadt Europas".
Signatur: 1061 Nummern 5, 64, 66-68, 75.

"Umwelthauptstadt Europas" oder auch "Grüne Hauptstadt Europas" ist ein Titel, der seit 2010 von der Europäischen Kommission jährlich an eine europäische Großstadt vergeben wird, die in vorbildlicher Weise Wirtschaftswachstum und Umweltschutz verbindet und mit einer "grünen Infrastruktur" wesentlich zur Lebensqualität ihrer Einwohner/innen beiträgt. Im Jahr 2017 hat die ehemalige Kohle- und Stahlstadt Essen, das "grüne Wunder", als zweite deutsche Stadt nach Hamburg (2011) diese europäische Auszeichnung erhalten.
Aus diesem Anlass wurden diverse Werbematerialien ausgegeben. Ausgestellt sind ein Informations-Flyer, eine Fahrradklingel, ein Fahrrad-Reparatur-Set ("Mobilitätsretter"), eine Tüte mit Sonnenblumensamen, ein Schlüsselband und ein Holz-USB-Stick.

Die heutige Fachklinik Kamillushaus Heidhausen, die traditionell auf die Behandlung von Suchterkrankungen spezialisiert ist, wurde 1901 als "Heilstätte für Trunksüchtige catholischer Konfession" vom Krankenpflege-Orden der Kamillianer in Essen-Heidhausen gegründet. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg diente sie als Lazarett. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Klinik zwischen 1945 und 1952 von den Städtischen Krankenanstalten als Station für Innere Medizin genutzt, da deren Gebäude den Kriegszerstörungen zum Opfer gefallen waren. Danach wurde sie wieder Entzugsklinik in der Trägerschaft des Kamillianer-Ordens. Aus wirtschaftlichen Gründen musste der Orden die Klinik 2013 aufgeben. Bis 2013 wurden hier insgesamt 16.000 Patient/innen behandelt. 2013 fusionierte das Kamillushaus mit den "Katholischen Kliniken Ruhrhalbinsel", die wiederum seit 2014 zur Contilia-Gruppe gehören.
Die im Kamillushaus behandelten Suchtpatienten durften das Klinikgelände zunächst nicht verlassen. Waren des täglichen Bedarfs wurden in einem klinikeigenen Warenverkauf angeboten, der nach der Wiedereröffnung der Entzugsklinik der Suchtklinik 1952 eingerichtet wurde und bis Anfang der 1990er-Jahre bestand. Dort bezahlten die Patient/innen mit einer eigenen Währung, den abgebildeten Leichtmetallmünzen. Das Taschengeld der Patient/innen wurde in diese Münzen umgetauscht.


36 Leichtmetallmünzen aus der Heilstätte Kamillushaus, Essen-Heidhausen (1952-1990).
Signatur: 852 Nr. 282.

Die Corona-Pandemie prägt seit März 2020 sämtliche Lebensbereiche und stellt nicht zuletzt auch die Kommunen vor große Herausforderungen. Symbole der Corona-Pandemie sind die Alltagsmasken, die überall im öffentlichen Raum getragen werden und in ihrer jeweiligen Gestaltung inzwischen vielfach sowohl als individuelles modisches Accessoire als auch als kollektives Erkennungszeichen dienen.
Auch die Stadt Essen hat inzwischen eigene, einheitlich gestaltete Mund-Nase-Masken aus Stoff herausgegeben und vor Weihnachten 2020 an alle Beschäftigten der Stadtverwaltung verteilt. Aufgrund der sich im Januar 2021 noch einmal deutlich verschärfenden Pandemiesituation wurde der seit dem 14. Dezember 2020 verhängte Lockdown noch einmal - zunächst bis zum 7. März 2021 - verlängert und die pandemiebedingten Arbeitsschutzmaßnahmen wurden nach der am 25. Januar in Kraft getretenen SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom 21. Januar 2021 deutlich verschärft. Dort, wo in Betrieben die Anforderungen an die Raumbelegung oder die Mindestabstände nicht eingehalten werden können, ist das Tragen von medizinischen Gesichtsmasken, FFP2-Masken oder vergleichbaren Masken vorgeschrieben. Diese Masken sind vom Arbeitgeber zu stellen. Dieser Aufforderung nachkommend hat die Stadt Essen Anfang Februar 2021 alle Mitarbeitenden mit jeweils fünf Masken des Typs KN95 ausgestattet.
Gezeigt werden hier eine Mund-Nase-Maske, wie sie vor Weihnachten 2020 von der Stadt Essen an alle Beschäftigten ausgegeben wurde, sowie eine Atemschutzmaske des Typs KN95, die Anfang Februar 2021 an die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung verteilt wurde.

Objekte aus dem Archiv Ernst Schmidt

Heinz Renner (1892-1964) gehörte seit 1920 der KPD an und war bis 1933 in Essen als Stadtverordneter und Fraktionsvorsitzender der KPD tätig. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme emigrierte er ins französische Saarland. Von 1939 bis 1943 saß er bis zur Auslieferung an die deutschen Behörden in verschiedenen französischen Internierungslagern ein. Danach wurde er bis 1945 im Gefängnis Ludwigsburg festgehalten.
Nach seiner Rückkehr nach Essen gehörte Heinz Renner dem am 29. Juni 1945 gegründeten 13-köpfigen Bürgerausschuss an. Am 6. Februar 1946 wurde er von der britischen Besatzungsbehörde zum ersten Essener Oberbürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg ernannt, bis er bei der Kommunalwahl im Oktober 1946 durch Gustav Heinemann abgelöst wurde. Danach war Renner vom 29. August bis zum 5. Dezember 1946 zunächst Sozialminister, vom 17. Juni 1947 bis zum 5. April 1948 Verkehrsminister des Landes Nordrhein-Westfalen. Von 1946 bis 1949 war er Mitglied des Landtags NRW sowie von 1949 bis 1953 Mitglied des Deutschen Bundestages.
Nach dem Verbot der KPD am 17. August 1956 versuchte Renner, 1958 als Unabhängiger bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen zu kandidieren. Daraufhin wurde ihm seine Entschädigung als Verfolgter des NS-Regimes wegen verbotener KPD-Betätigung aberkannt und er wurde zur Rückzahlung der bereits gewährten Entschädigungssumme verurteilt. 1960 wurde Heinz Renner vorübergehend durch die Bundesanwaltschaft inhaftiert. Aufgrund seiner Erkrankung erhielt er jedoch Haftverschonung. Während eines Kuraufenthaltes in Bad Karlsbad gelang ihm 1960 die Flucht in die DDR. Am 11. Januar 1964 starb Renner in Ost-Berlin. Beigesetzt wurde er in einem Urnengrab auf dem Südwestfriedhof. Zu seiner Beisetzung schickte auch der Staatsratsvorsitzende der DDR Walter Ulbricht einen Kranz. Die Schleifen dieses und anderer Kränze, die anlässlich der Beerdigung von Heinz Renner gestiftet wurden, sind im Nachlass Renner im Archiv Ernst Schmidt überliefert.


Kranzschleifen anlässlich der Beerdigung des ersten Essener Oberbürgermeisters Heinz Renner auf dem Südwestfriedhof am 1. Februar 1964.
Signatur: 6000 / 19-396.

Das Archiv Ernst Schmidt, das in privater Initiative von dem Essener Historiker Dr. Ernst Schmidt (1924-2009) in jahrelanger Arbeit aufgebaut und 2006 von der Stadt Essen angekauft wurde, ist seit dem Umzug in die ehemalige Luisenschule ein wesentlicher Bestandteil des HdEG. Es stellt die wohl bedeutendste Sammlung von Nachlässen zum stadtbezogenen Themenkreis "Geschichte der Arbeiterbewegung" und "Verfolgung und Widerstand" dar. Insgesamt umfasst das Archiv Ernst Schmidt, das heute vom Historischen Verein für Stadt und Stift Essen e.V. betreut wird, circa 12.000 Dokumente (Akten, Briefe, Flugblätter etc.), zahlreiche Interviews mit Zeitzeugen, Fotografien und Objekte sowie historische Postkarten und Plakate, Zeitungen und nicht zuletzt die Bibliothek Ernst Schmidts. Dabei deckt der Bestand die folgenden Themen ab: Frühphase der Essener Arbeiterbewegung, Novemberrevolution und Weimarer Republik in Essen, Verfolgung und politischer Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Essen, die Jahre nach 1945 in Essen und Umgebung, die Geschichte der Essener SPD nach 1945, lokale Alltagsgeschichte, Entstehung der Mahn- und Gedenkstätte Alte Synagoge.

© 2024 Stadt Essen